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American Dream

Nun war er da, der Tag der Abreise aus Neuseeland. Vor uns lag ein 32 stündiger Flug über den Pazifik, von Auckland nach Sydney, weiter zu unserem Eintritt in die USA nach San Francisco, über Houston nach Miami, unserem Ziel in Florida. Die Flüge verliefen ohne besondere Zwischenfälle. Der mit Air New Zealand war ja sogar ein sehr spezieller, da der erste in der neu geschaffenen Reisebubble, wo Aussis und Kiwis ohne jedwede Quarantäne hin- und her reisen dürfen, Touristen eingeschlossen, die sich länger als 14 Tage im Land aufgehalten haben. Besuchervisas waren nun auch nicht mehr ausgeschlossen für diejenigen. Für uns kam das allerdings zu spät. Wir hatten so lange gewartet. Nun alles umzuschmeißen kam für uns nicht wirklich in Frage. Wir freuten uns also auf Amerika. Aber welcher Kontrast sollte uns treffen. Während es beim Check In in Auckland total gelassen zuging, mit überfreundlichen Mitarbeitern und ohne Maskenpflicht, änderte sich das bereits in Sydney. Gesundheitscheck mit Fiebermessen und schriftlicher Deklaration, wie gesund man ist, standen auf dem Programm. Des Weiteren ein umständlicher Umweg in den Transitbereich, damit man ja nicht mit den falschen Leuten in Kontakt kommen könnte. Wir konnten nur staunen über diese Aufgeregtheit. Da wirkte die neue Transtasmanische Reisebubble in Auckland viel besser organisiert. Der nächste viel größere Sprung brachte uns nach San Francisco. Die Crew von United Airlines machte den Flug im neuen Dreamliner trotz ganzzeitlicher Maskenpflicht gut erträglich. Und das bei gut 13 h Reisezeit. Schade war nur, daß im Südpazifik angekommen, die Dunkelheit der Nacht hereinbrach. Ich konnte nur für kurze Zeit die Farbenpracht in Augenschein nehmen. Ich hätte gern viel mehr davon gehabt. Ganz abgesehen von einer Reise dorthin, die uns ja auch versagt blieb. Ein paar schöne Schnappschüsse habe ich aber einfangen können.

In San Francisco ging dann wieder die Sonne auf. Ob das ein gutes Zeichen für uns ist? Noch waren wir ja nicht drin im Land der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Grenzbeamten könnten immer noch ihr Veto einlegen, so haben wir uns sagen lassen. Aber ich war zuversichtlich. Die Paßkontrolle mit den Einreiseformalitäten incl. der Prüfung des obligatorischen Weiterfluges verlief ohne große Fragen und Probleme. Wir bekamen den Stempel für das gewünschte Ausreisedatum. Unsere Freude sollte aber zunächst nur kurz währen, da uns ein hinter dem Schalter positionierter Boarder Officer abfing. Wahrscheinlich mangels Alternativen. So viele internationale Touristen gibt es ja derzeit nicht. Es war früh am Morgen und er wohl noch motiviert, seinen Dienst zu tun. So nahm er uns in die Mangel. Er baute sich vor uns auf, um uns auszufragen, was wir denn in den USA wollen in dieser Zeit. Dazu mochte er nicht glauben, daß wir ganze drei Monate bleiben wollen, ohne einen kompletten Reiseplan dafür zu haben. Wir hatten bis dato nur die ersten Tage in Miami in einer AirBnB-Unterkunft gebucht. So durfte ich ihm sogar noch Einsicht in meinen Bankaccount geben. Er vermutete, daß wir ohne entsprechendes Visum arbeiten wollten. Wie kam er nur darauf, daß wir Illegales vorhaben würden? Irgendwann wurde er dann doch sanfter. Spätestens als klar war, daß wir als Pärchen um die Welt reisen und uns viel Zeit dafür nehmen. So ließ er uns dann doch irgendwann losziehen. Gut, daß wir es nicht ganz so eilig hatten. Wir hatten vorsorglich für den Transfer in San Francisco und Houston eine Flugverbindung mit jeweils 3 h Aufenthalt gebucht. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hätten wir auch die Verbindungen mit kürzeren Stopovern geschafft. Aber wer weiß das schon vorher. Unser durchgebuchtes Gepäck war auf jeden Fall früher in Miami als wir, zumindest lt. der App. Wir vertrieben uns irgendwie die Zeit an den Flughäfen und beobachteten die Leute. Von den beiden folgenden Kurzstreckenflügen, irgendwas zwischen 2 und 3 h, ist nur der von Houston nach Miami hervorzuheben. Vollgestopft in einer Sardinenbüchse, so fühlte sich das in der kleinen Boeing-Maschine an. Bis auf den letzten Platz mit dicken Amerikanern und engstem Sitzabstand ausgebucht, wurde die Maschine zwischendurch ganz schön durchgeschüttelt. Da gab es so einige laute Stoßgebete, wie auf dem Jahrmarkt. Die Stillen hielten sich krampfhaft an irgendwas anderem fest. Letztlich kamen wir aber unbeschadet und pünktlich in Miami an. So konnte unser Florida-Abenteuer endlich starten.

Auf schnellstem Wege ließen wir uns per Taxi zu unserer ersten Unterkunft in Little Havanna chauffieren, dem Latinoviertel Miami's. Zu sehen gab es in der Dunkelheit und Regen nicht viel. Wir bekamen aber die erste Einführung ins für uns ungewöhnliche Straßensystem mit der Nummerierung und größtenteils quadratisch oft in Einbahnstraßen angelegt. Gerade Nummern in der Horizontalen, ungerade Nummern in der Vertikalen. Da hatte selbst der Fahrer so seine Probleme. Die Villa vom Anfang des letzten Jahrhunderts wartete mit drei zu vermieteten Zimmern auf, die endlich wieder mehr Freiraum ließen, als die engen Flugzeugkabinen. Zudem freuten wir uns über die komfortablen Matratzen. Gewöhnen mußten wir uns nur an die zentral gesteuerte Klimaanlage. Die Regelung habe ich dann erst in der nächsten Unterkunft verstanden, die vom gleichen Besitzer vermietet wurde. Der erholsame Schlaf tat uns ausgesprochen gut. Vom Jetlag blieb ich auf jeden Fall verschont. Raphael spürte aber schon eine gewisse Erschöpfung. Er kurierte ja aber auch noch seine Erkältung aus den letzten Tagen in Neuseeland aus. Einer ersten Erkundung Miami's sollte das aber nicht im Wege stehen. So zogen wir zu Fuß von Little Havanna in Richtung Down Town und merkten schnell, daß es hier andere Distanzen zu bewältigen sind, als in Europa gewöhnt. Bis auf die Hochhäuser in Down Town ist ja alles niedrig gebaut mit Raum für Garten oder anderes drumherum. Auf der Karte sieht alles so nah aus. Aber das täuscht gewaltig. Da war klar, daß wir uns um Tickets für Bus und Bahn kümmern sollten. Das war aber schwieriger als gedacht. Die Automaten und Vorverkaufsstellen waren wegen der Mikrobenmaßnahmen außer Dienst. Wie stellt man sich das vor? Am dritten Tag realisierten wir aufgrund meiner Nachforschungen im Internet, daß der gesamte öffentliche Personenverkehr in Miami Dade bis Ende Mai kostenlos ist. Das beglückte uns sehr. Die Unterkünfte waren schon teuer genug. Schade nur, daß uns das vorher niemand sagte. So konnten wir nun endlich unseren Aktionsradius vergrößern. Wir erkundeten das Art-Deco-Viertel am Southbeach und später noch Key Biscaine mit dem Leuchtturm. So richtig vom Sockel vermochte uns die Stadt noch nicht zu reißen. Attraktiv finden wir Miami nicht wirklich. Dazu sind Plätze draußen, an denen man gern verweilen möchte, rar. Wir legten noch einen Museumstag ein, um etwas über die Geschichte Floridas zu erfahren und nahmen uns vor, zwei botanische Gärten zu besuchen. Das sollte sich als quasi unmöglich für uns erweisen. Die Busverbindungen dorthin waren nicht die besten. Dazu mußte man noch Termine für den Besuch der Gärten vereinbaren, da man nicht unbegrenzt Leute hereinlassen wollte. So richtig sind die Maßnahmen also noch nicht abgeschafft. Wir wunderten uns genauso, wie viele Leute auf der Straße noch die Masken trugen, obwohl sie gar nicht mußten. Angst und Panik hat sich halt überall auf der Welt breit gemacht. Dazu kommt die Gewöhnung. Gewöhnen mußten wir uns auf jeden Fall noch an die neue Umgebung und die Gegebenheiten. Wichtig war für uns zunächst einmal herauszufinden, wie wir ohne Auto von Ort zu Ort kommen, welche Busse uns Bahnen von wo nach wo fahren. Unser Reiseplan war ja noch nicht in Stein gemeißelt. Wir hatten allerdings schon eine Einladung, für einen Farmaufenthalt jederzeit nach Homestead, südlich von Miami, zu kommen. Aber dies würde bedeuten, aufgrund des Volunteerings weniger Freizeit zu haben. Eigentlich stand uns noch der Sinn nach Erholung, nach der langen Zeit in Neuseeland. Wir sahen es als Zeichen, daß sich eine auserwählte AirBnB-Unterkunft nicht auf unsere Anfrage meldete. So bestätigten wir kurzentschlossen unserer Gastgeberin in Homestead unser Erscheinen in zwei Tagen. Die Busverbindung war perfekt und der Pic up Service von der Haltestelle zu ihrem Grundstück organisiert. Was uns dort wohl erwartete?

Wir wurden dann von einer recht lebendigen Community überrascht. Natalie lebt dort mit ihrer Familie, Freunden, Bekannten, sowie diversen Helfern (Wwoofern) in den verschiedensten Unterkünften zusammen. Da sind die drei festen Häuser, dann noch einige funktionsfähige Airstream Wohnwagen, dann die bewohnbar gemachten Shippingcontainer und private Zelte. So groß hatten wir es uns dann doch nicht vorgestellt. Die erste Führung über das Grundstück übernahm einer der Helfer, der wie sich herausstellte, genauso wie die anderen bereits Monate hier weilte. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Schlucken mußten wir aber, als uns bewußt wurde, daß wir mit anderen Jungs in einem Raum in Etagenbetten übernachten sollen. Na das kann ja was werden. Unsere Ferienlagererfahrungen liegen ja nun schon ein Weilchen zurück. Der Schreck währte nur kurz. Alles stellte sich als unkompliziert heraus. Wir nahmen es, wie es kam. Wir spürten schnell, daß wir hier richtig sind. Einfach nette Zeitgenossen rundherum, dazu weltoffen und nicht zu leichtgläubig. Es ließ sich gut an in unserer neuen Familie auf Zeit. Meine Vorurteile von den Amerikanern wurden schnell in Luft aufgelöst. Ich hatte mich ja mein bisheriges Leben gesträubt, in die Staaten zu gehen. Aber mit Florida hatte ich nun ein gutes Gefühl, welches sich sehr schnell bestätigte. So kann es ruhig weitergehen. Normalerweise nimmt Natalie bevorzugt Nicht-US-Staatsbürger als Helfer in ihre Familie auf. Aber insbesondere aus Europa kommt ja schon länger kein Nachschub mehr. Wir bildeten da eine Ausnahme, da wir aus Neuseeland in die USA einreisen durften. Der Travel Ban galt nur für Flüge aus dem europäischen Raum. Überraschend kam nach einiger Zeit noch eine Französin dazu, die auch schon länger unterwegs war und ein Visum besitzt, welches sie berechtigt, sogar arbeiten zu dürfen, allerdings nur für ausländische Arbeitgeber. Aber immerhin, durfte sie mehr als wir. Charlotte ist eine wahre Französin. Ein verrückter Wirbelwind, immer wild gestikulierend, wenn sie sprach, insbesondere beim Telefonieren. Das war schon ein lustiger Anblick, wenn sie dabei nicht still sitzen könnend übers Gelände wirbelte, mit Händen und Füßen sprechend. Wir verbrachten viel Zeit mit ihr. Die Verbundenheit der Europäer untereinander in der Fremde ist doch nicht zu leugnen. Raphael konnte sie mit ihrer Exzentrik schon mal auf die Nerven gehen. Aber er mußte auch mehr ertragen als ich, da er viel besser mit ihr auf französisch und englisch kommunizieren konnte. Schon mal ist es ein Vorteil, wenn man den Gegenüber nicht versteht. Das sollte aber kein Grund für mich sein, mit dem Lernen der Fremdsprachen aufzuhören. Letztlich ist es immer von Vorteil, ein paar Sprachen der Welt zu beherrschen, um Kontakte zu knüpfen oder sich allgemein verständigen zu können.

Ansonsten ist da der bereits erwähnte amerikanische Guy, der ein Sonderrecht bei Natalie hat, sich seit 6 Jahren immer wieder einige Zeit hier aufhält und den Status eines Vorarbeiters besitzt. Interessanterweise hat er zuletzt sogar einige Zeit ausgerechnet in Köln verbracht und möchte am liebsten dort leben. Die Krise hat ihn nun zunächst dort vertrieben. Ob er eine neue Chance dort bekommt? Die anderen jungen Amerikaner sind bunt aus allen möglichen Himmelsrichtungen, heißt Bundesstaaten, zusammengewürfelt. Allen gemein ist, daß sie in der Regel im Gegensatz zu uns unter 30 sind, aber wie wir auf der Suche sind. Aber auf der Suche nach was? Auf der Suche nach dem, was man mit seinem Leben anstellen, bewirken mag, wo sich der Fleck zum Leben befindet, wie das für einen passende, stimmige Lebensmodell aussieht. Kein einfaches Unterfangen. Dazu schleppt ja jeder seine bisherigen Erfahrungen und Problemchen mit sich herum. Und einige davon sogar ihren Hund. Als wenn es nicht schon genügend Tiere auf der Farm gab. Unsere Gastgeber hatten ja selbst schon 4 Hunde, die kleine Prinzessin Bella, die umtriebige Valentine, der freche Dingy und der ruhige Brooster. Dazu gab es noch die graue Eminenz, die Kuh Moana, ein paar Ziegen und hunderte wenn nicht gar tausende Hühner, die von den Helfern versorgt werden mußten. Versorgt wurden wir Helfer aber auch mehr als reichlich. Natalie, immer um unser Wohl besorgt, beschaffte permanent Nachschub an Nahrungsmittel. Oft schon zu viel, daß wir mit dem Essen nicht mehr hinterherkamen. Die Tiere dankten es uns. Glen, von Beruf Chefkoch, zauberte des morgens und abends ein köstliches Mahl für alle. Zum Lunch war Selfcatering aus den vorhandenen Leftovern oder anderem angestauten Food angesagt. Später bekam Glen dann Hilfe von einem Helfer, der selbst einige Kocherfahrung mitbrachte. So konnte sich Glen auf andere Dinge konzentrieren. Schließlich hieß es ja auch bei laufendem Betrieb zwei Küchen im Haupthaus auf- bzw. umzubauen. Eine Menge Arbeit, da auch die Böden, Wände und teils die Decken aufgefrischt werden müssen. Natalie ist ja sehr umtriebig und geschickt darin, Dinge zu ergattern. Da werden dann schon mal zum Abbruch freigegebene Häuser von noch nützlichen und brauchbaren Materialien befreit, wie Fenster, Türen, Holzvertäfelungen, Möbel oder gar zurückgelassene Geräte. Genug Pläne und Helfer zum Umbau ihres Anwesens hat sie auf jeden Fall. Schade finde ich, daß sie die meisten ihrer Airstreams, die typisch amerikanischen Wohnwagen wohl verkauft werden sollen, mit denen sie eine ganze Zeit lang in ein flukturierendes AirBnB-Geschäft betrieb. Die Wagen haben es mir angetan. Ich würde gern einen solchen besitzen. Aber gut, aktuell brauchen wir unser Erspartes für andere Dinge. Wo sollten wir auch hin damit, wenn wir die USA auf dem Luftweg verlassen müssen. Zudem braucht man immer noch ein Gefährt, welches ihn zieht. Es ist nicht an der Zeit dafür. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Überlegen müssen wir uns ja eh immer wieder, wie wir vorankommen, wie wir uns wohin bewegen, wo wir unsere Zelte aufschlagen und wie lange wir unterwegs oder Station machen wollen. Dieses Schwelgen, Träumen, Denken findet vorzugsweise jeden Tag nach getaner Arbeit in der großen Poollandschaft statt. Ein wahrlich schöner Ort dafür. Wir wunderten uns nur, warum kaum ein Anderer diesen so nutzt. Ein zweiter kuscheliger Ort, um die Nachmittags- und die Abendsonne zu genießen, ist die Veranda unseres Weißen Hauses, wo auch der allgemeine Treff der Volunteere ist. Dieser wird schon regelmäßiger von vielen besucht, um miteinander zu schwatzen oder zu musizieren. Irgendwie scheint jeder Volunteer mit Gitarre unterwegs zu sein. Nur wir eben nicht. Raphael tat sich schwer damit, sein Klavier mit auf Reisen zu nehmen. Auf den kleinen Keyboards unserer Kollegen mochte er aber auch nicht spielen. Ich kann es verstehen. Und meine Gitarrenspielversuche waren in Deutschland bereits in den Anfängen gescheitert. So blieb nur noch das Mitsingen. Ha, was für eine Panik kam da in uns auf. Raphael haßt es zu singen und ich absolut textunsicher scheue mich auch. Mein Musikunterricht liegt nun schon mehr als 35 Jahre zurück. Ich mag eigentlich gern singen oder gar ein Instrument spielen können. Aber wirklich geübt oder drangeblieben war ich nicht. Da waren mir wohl andere Sachen wichtiger. Insgeheim ist es schon schade. Ich bewundere diejenigen, die sich dazu noch trauen, vor Anderen ihr Können zum besten zu geben. Indigo, eine unserer liebsten American Guys, versuchte uns in aller Regelmäßigkeit zu animieren, doch auch mit in eine benachbarte Karaokebar zu kommen. Dieser vermochten wir bis zum heutigen Tag gut zu umgehen. Amis können aber auch hartnäckig sein. Ins Herz geschlossen haben wir einige davon, wie da wären, wie erwähnt, Indigo mit ihrem Hand Cheddar aus Kentucky, unser sportlicher, abenteuerlustige Spiderman Antonio aus Missouri, unser Wahlkölner Mark aus Florida, der umtriebige 2m Mann Jack aus North-Dakota, vor dem nichts sicher war, Kristina und ihre Hündin Mayla aus Louisana, die uns leider viel zu früh wieder verlassen mußte. Zu guter Letzt die treue Seele des weißen Hauses, die Nicole aus der Nachbarschaft, die dann sogar noch Gefallen an Mark gefunden hat. Eine hoffentlich glückliche Liebesgeschichte. Es schwebte ja immer ein Damoklesschwert über dem jungen Glück, da Mark unbedingt wieder nach Deutschland, nach Köln zurück wollte. Während Nicole auf gar keinen Fall von zu Hause weg wollte. Er hat sich ja sogar bereits dafür impfen lassen. Wie verrückt. Unser letzter Stand ist allerdings nun, daß er sich dafür entschieden hat, mit Nicole in Florida zu bleiben. Wir drücken den Beiden unsere Daumen. Dann gibt’s da noch zwei Personen, die insbesondere Raphael richtig klasse findet. Es sind die Großeltern, die Mutter von Natalie, die im Poolhaus wohnt und der Vater von Glen, der mit im Weißen Haus wohnt. Grandpa ist ein alter Rennfahrer, der viel um die Welt gekommen ist und viel zu erzählen hatte. Grandma ist politisch mit Raphael auf einer Wellenlänge, zumindest was die Begeisterung für Donald Trump angeht.

Ein wenig litt die Stimmung in der Gruppe mit dem Einzug der heiligen drei Könige samt Gefolge. Von einem Tag auf den anderen verdoppelte sich die Anzahl der Helfer, was schon sehr ungewöhnlich ist. Ein zusammengewürfeltes Grüppchen, welches auf einer anderen Farm nicht mehr benötigt wurde. Da konnte Natalie nicht nein sagen. Wir hatten ein ungutes Gefühl als sie anreisten, der Scharlatan, ähm Schamane, seiner Freundin und einem Adjudanten. Dazu eine weitere schwarze Göttin, die zugegebenermaßen ausgesprochen hübsch und sehr nett ist. Aber die drei haben echt den Vogel abgeschossen, in ihren Gewändern. Sie frönen zudem der holistischen Leere, ähm Lehre, was zunächst mal nichts schlechtes ist. Aber sie sind halt sehr jung und bilden sich was ein, insbesondere der Scharlatan. Gemein war der Gruppe ebenfalls, daß sie nicht gerade arbeitswillig waren, was von uns anderen Helfern natürlich mit Argusaugen registriert wurde. Ausnahme bildete unsere Schönheitsgöttin, die sich mit Pflanzenmedizin beschäftigte und sich fleißig um die Pflanzen auf dem Grundstück kümmerte. Natalie schritt leider viel zu spät mit ihrem Ultimatum ein, daß die Holistiker nicht nur zum Schein und nicht nur für ihre eigenen Belange arbeiten sollten. Naja, wir bemühten uns darum, uns die Laune nicht kaputt machen zu lassen, auch wenn es insbesondere mir schwer fiel. Aber wir ließen nicht nach, unser Bestes zu geben. Wir hatten uns jedenfalls nichts vorzuwerfen. Pluspunkte sammelte ich mit dem von mir regelmäßig gebackenem German Sourdough Bread. Die Leute waren echt aus dem Häuschen, wie lecker Brot sein kann. Höhepunkt dessen war dann, daß ich ein paar Brote für den Verkauf auf einem kleinen Farmers Market in Miami zubereitete. Indigo und Mina, und unsere Schönheitsgöttin, fuhren ja jeden Samstag dorthin, um ihre preparierten Dinge an den Mann und oder die Frau zu bringen. Und Indigo übernahm liebenswerterweise den Verkauf für mich. Persönlich konnte ich das leider nicht erledigen, da uns dazu der fahrbare Untersatz fehlte. Aber ich konnte es mir gut vorstellen, wie es wohl dort ablief, da wir vorher schon einmal eine Mitfahrgelegenheit zum Markt fanden. Die gab es nur leider nicht jeden Samstag. Die Kritiken der der Tester und Käufer vernahm ich gern. Darunter war auch eine in Florida lebende Deutsche, die das typische deutsche Brot erkannte und für gut befand. Eine kleine Steigerung gab es dann noch für den Selbstverzehr auf der Farm. Wir backten dazu Brot mit gerösteten und karamellisierten Zwiebeln. Das war echt der Knaller schlechthin.

Irgendwie war das Fieber in der Gruppe entfacht. Nun wollte jeder irgendetwas herstellen, um es auf dem Markt zu verkaufen. Ob Kuchen, Marmeladen, Mushroom Tee und einiges mehr, Natalie unterstützte alle dabei nach Kräften. So lief das geschäftige Treiben Tag für Tag. Uns gefiel es sehr gut. Freie Zeit gab es ja immer noch genug, die wir meist am Pool verbrachten. Uns zog es nicht weg, obwohl wir doch eigentlich viel mehr von Florida in den drei verfügbaren Monaten sehen wollten. Aber wir waren zu geizig für einen teuren Mietwagen und mit dem Bus ist es zwar möglich, aber recht beschwerlich. Ohne eigenes Auto waren wir aber auch an die Farm in Homestead gebunden. Wir hofften immer auf eine Mitfahrgelegenheit, um z.B. noch etwas zu knabbern oder das Feierabendbier im Supermarkt zu besorgen, genauso um einen Ausflug zum Strand mitmachen zu können. Es klappte nicht immer, aber immerhin einige Male. Aber zwei Dinge wollten wir auf jeden Fall noch erleben, bevor wir die USA verlassen müssen. Da waren die nahe liegenden Everglades und die Keys, insbesondere das äußere Ende mit dem ältesten Ort Key West. Darauf sollten wir einige Zeit warten müssen, da alle irgendwie keinen Drang danach verspürten. Da mußte erst eine neue Helferin auf Zeit kommen, Theda aus New Jersey, damit unsere Wünsche Realität werden konnten. Theda nahm uns in ihrem kleinen alten Toyota mit, da sie beides ebenso besuchen wollte. Alleine fahren mochte sie zudem auch nicht. Insbesondere der Trip nach Key West mit gut 3 h für eine Strecke verlangt dann schon etwas ab. Und wenn man dann noch in derselben Nacht nach einem langen Tag zurück möchte, tut ein zweiter Fahrer immer gut. Okay, ich war, als es soweit war, nicht mehr ganz so glücklich, mit der Nachtfahrt beauftragt zu sein, da sich die Müdigkeit mittlerweile auch bei mir eingeschlichen hatte. Da hieß es, nur nichts anmerken lassen und Aufmerksamkeit bewahren im dunklen unbekannten Terrain. Schön war unser Ausflug trotzdem in den ältesten Ort auf den Key's, mit seinen alten hübsch anzuschauenden Villen und dem geschäftigen Treiben. Allerdings ist Key West uns zu sehr auf Tourismus eingestellt, was den Charme ein wenig mildert. Wunderschön war der botanische Garten. Dort konnten wir eine uns bis dahin unbekannte imposante Palme bestaunen, die ursprünglich auf Kuba beheimatet ist. Dazu gab es eine Ausstellung kubanischer Flüchtlingsboote, die in den letzten Jahrzehnten an der Küste aufgefunden wurden. Die Fahrt entlang der Keys, der wie an einer Perlenschnur aneinander geketteten Inseln, hätte ich mir aber eindrucksvoller vorgestellt. Wie das so ist, wenn man auf einer Betonpiste zwischen den eng aneinander gereihten Siedlungen und Brücken unterwegs ist, bekommt man den Reiz nicht wirklich zu spüren. Wahrscheinlich muß man dazu aufs Wasser oder noch besser in die Luft gehen. Auf die Tour mit dem Boot, die uns Natalie in Aussicht stellte, hofften wir sehr, mußten uns aber lange gedulden. Zunächst ging es mit Theda in die Everglades, genau gesagt in den Big Cypres National Park. Wir wollten mehr Natur und vor allem mehr Alligatoren sehen. Einen Vorgeschmack hatten wir auf einer kurzfristig anberaumten Spritztour mit dem kleinen Speedboot von Natalie und Glen gemacht. Diese führte über einen Kanal, der in die Glades führt. Die Tierchen sind schon ganz schön beeindruckend, wie sie da so gelassen im oder am Wasser liegen, um ohne Vorwarnung los zu preschen, wenn man ihnen zu nah kommt. Die sind wirklich sehr schnell unterwegs und dazu mit einem kräftigen Schädel bzw. Kiefer ausgestattet, von dem ich nicht gebissen werden möchte. Auf der Tour für die zweite Gruppe machte Bruder Leichtfuß Jack seinem Namen alle Ehre und vollführte glatt einen Sprung ins Wasser, ohne wirklich drüber nachzudenken. Dieser Wahnsinnige. Gut, daß nichts passiert ist. Ein weiterer Ausflug führte uns mit Jack mittlerweile zur Gruppe gestoßenen zwei jungen Chici-Alaska-Mädels in den Fruit & Spice Park. Dort durften wir nach Belieben von den Büschen und Bäumen gefallenen Früchten probieren. Pflücken und mitnehmen war verboten. Mehrere hundert Arten waren angeprießen. Zu unserer Zeit waren davon aber nur einige davon für unseren Verzehr bereit. So richtig zuschlagen konnten wir aber bei den Mangos, den Königinnen der Früchte, wo es unzählige verschiedene Sorten gab. Was haben wir geschlemmt und uns den Magen vollgeschlagen. Das ging gut, bis ein Gewittersturm nahte und die Parkleitung entschied, alle Besucher nach Hause zu schicken. Wir ließen uns Zeit auf dem Weg nach draußen. Lang genug, daß der Sturm vorbeiziehen konnte. Am Ausgang angelangt, nahm man dann das Kommando zurück, was hieß, bleiben zu dürfen. SO konnten wir noch etwas weiter schlemmen bei den Bananen. Zu den Alaska-Girls gibt’s aber auch einiges zu berichten. Deren erster Auftritt vor versammelter Mannschaft war schon sehr beeindruckend. Schließlich waren wir ja mehr als weniger auf dem Land, auf einer Farm. Und die Beiden traten zum Frühstück incl. Der täglichen Einsatzbesprechung in Hotpants und aufgetakelt bis zum geht nicht mehr an. Was heißt, daß sie volles Make-Up aufgetragen hatten, dazu die längsten Wimpern der Welt und lange knalligbunte Fingernägel. Also, wenn sich da mal nicht gut mit im Dreck wühlen läßt, weiß ich auch nicht. Von daher war das Erstaunen der Mannschaft in die Gesichter geschrieben. Aber um es vorweg zu nehmen. Die beiden Girls hatten kein Problem mit schwerer und schmutzig machender Arbeit. Sie waren sich für nichts zu schade. Das konnten sie auf ihrer Habenseite verbuchen. Arbeiten sollten sie aber noch an ihren Manieren und ihrem Allgemeinwissen. Ladylike war ihre Etikette auf keinen Fall. Den Vogel abgeschossen hatte eine von beiden, die uns auf Nachfrage bestätigte, daß sie Nachfahre von Robert Schumann ist. Sie wußte zwar von ihrer Großmutter, daß sie deutschsprachige Vorfahren hat, aber eben nicht, wie bekannt bzw. berühmt der Komponist Robert Schumann in der Welt ist. Letztlich läßt sich allgemein sagen, daß bestimmt 40-50 Prozent der Amerikaner auf irgendeinem Weg, in einem gewissen Anteil, deutsche Gene in sich tragen.

Mit Theda machten wir noch einen Ausflug in die Everglades, genau genommen in den Big Cypres National Park. Aufgrund von Überflutungen in der bereits begonnenen Regenzeit, waren leider nicht mehr alle Wege zugänglich, zumindest für uns ohne Gummistiefel und Gummihosen. Ein Fotograf, der seine Galerie in dem Gebiet hat, bot zwar solche Touren an, wo man bis zur Taille im Wasser stehen könnte. Aber danach war uns nicht. Wir gingen doch lieber auf sicheren Stegen durch den Wald, um Alligatoren aufzuspüren.

So gingen die Tage ins Land und der Abschied rückte in greifbare Nähe. Inzwischen hatten auch schon einige unserer neuen Freunde die Gruppe verlassen, um ihren Weg weiter zu gehen. So kam allgemeine Traurigkeit auf. Das wir auch noch vor dem Absprung standen, bedauerten Natalie und Glen sehr. Sie mochten uns nicht gehen lassen und animierten uns, doch zu bleiben. Sie meinte, daß es hier in Florida eh niemanden wirklich interessiert und nicht weiter auffällt, über die bewilligte Aufenthaltsdauer hinaus im Land zu bleiben. Wir hätten gern unsere Zeit dort verlängert. Wir hatten uns wohl verliebt. Nur illegal, wie viele im Land, wollten wir das als gewissenhafte Deutsche nicht. So fügten wir uns unserem Schicksal und bereiteten uns auf die Reise nach Mexico vor. Der Flug von Miami nach Cancun war ja bereits gebucht.

Ein Höhepunkt sollte uns noch bevorstehen. Einmal Lunte gerochen, ließ Raphael nicht mehr locker und fragte Natalie immer wieder, wann wir denn die in Aussicht gestellte Bootstour durch die Keys machen. Bisher war die ja aufgrund der vielen Arbeit und der aufkommenden Regensaison mit Unwettern und Hurrikans quasi ins Wasser gefallen. Am Tag vor unserer Abreise sollte sich ein Fenster für den Trip öffnen. Zwischen zwei Regenfronten wurde eine Lücke ausgemacht, die es zu nutzen galt. Ich hatte ja so meine Bedenken. Solche Unternehmungen auf den letzten Drücker mag ich ja gar nicht, wo doch noch so viel zu erledigen ist, was z.B. das Packen betrifft. Aber Raphael wollte nicht verzichten und überredete mich, daß Erlebnis noch mitzunehmen. Wir beide wollten es ja von Anfang an. So fuhren schlußendlich zwar recht spät für solch eine Unternehmung los. Aber zumindest das Wetter wurde zusehends besser. Aufgrund des unruhigen Meeres auf der offnenen Karibikseite entschlossen sich Natalie und Glen mit ihrem flachen Boot und starkem Motor die geschützte Innenseite im Golf von Mexico zu nehmen. So ließen wir das Boot nahe Key Largo ins Wasser und fuhren mit Highspeed der Sonne entgegen. Viele Boote waren in der Woche und dazu bei der allgemeinen Wetterlage nicht unterwegs. Natalie und Glen versuchten per GPS die für sie geeignete Fahrrinne zu finden und nahmen immer wieder Abkürzungen vom mit Bojen abgesteckten sicheren Weg. Aber dies ist in den Keys mit den vielen Untiefen und Sandbänken immer mit Vorsicht zu genießen. Der superstarke aber auch sehr schwere Motor machte das Wassern mit dem tiefgehenden Heck zusätzlich kompliziert. Einen Moment der Unachtsamkeit und schon kann es passiert sein. Und es kam wie es kommen mußte, zumindest in meiner Vorahnung, daß Natalie und Glen sich nicht einig waren oder sich nicht richtig verstanden und Glen schnurstracks ins Flachwasser steuerte. Er versuchte zwar noch schnell gegenzusteuern. Aber es half nichts mehr. Der Motor versagte unter einem lauten Signalton den weiteren Dienst. Ein erster Check verhieß, daß der Motor überhitzte. Was sind diese Krawallmaschinen aber auch so empfindlich. Na das kann ja nun heiter werden, dachte ich mir. Fernab unseres Ablegeplatzes, wo der Trailer samt Zugmaschine steht, versuchte ich meine Unruhe nicht zu zeigen. Raphael tat es mir gleich. Glen stand schon genug Panik im Gesicht. Ob Natalie wirklich die Ruhe weg hatte, wie sie behauptete, weiß ich nicht wirklich. Aber letztlich hieß es, kühlen Kopf zu bewahren und irgendwie aus der prekären Situation herauszukommen. Niemand wußte, was der Motor noch zuließ, ob und wie lange er noch zu etwas nutze war, um uns wieder zurück zu bringen. Eine Reparatur auf offener See, ohne Werkzeug, war nicht möglich. Der letzte Ausweg wäre ein sehr teures Abschleppmanöver gewesen. Darauf wollten die Beiden wenn möglich verzichten. Zumindest waren wir für den Notfall in Telefonreichweite. Das gab ein wenig Sicherheit, auch wenn ich dachte, wohl auf dem Wasser übernachten zu müssen und wir so unseren Flug am nächsten Tag verpassen würden. Das war dann doch noch viel Aufregung für den letzten Tag. Natalie übernahm nun das Ruder, da Glen sich ausruhen mußte. Sie versuchte bei langsamer Fahrt dem Motor immer wieder Gelegenheit zu geben, abkühlen zu können, um zumindest mit sehr langsamer Fahrt der Heimat ein Stück näher zu kommen. Das gelang ihr letztlich und sie genoß das ruhige Dahingleiten. Mir ging das definitiv zu langsam. Aber was sollte ich tun? Ich konnte ja froh sein überhaupt wieder zurückzukommen. Ein kleiner Höhepunkt war noch die Durchfahrt durch ein Spalier von kunterbunten und mehr oder weniger originell gestalteten Toilettensitzen, die als Zeichen der Erinnerung an Verstorbene von den Bewohnern der Keys dort aufgestellt werden. Wir hatten auch wirklich Glück mit dem Wetter. Länger als ursprünglich geplant auf dem Wasser, verließ uns die Sonne nicht. So erreichten wir sogar noch im Hellen unseren Anleger. Als kleine Entschuldigung oder auch Entschädigung für das Mißgeschick des Tages luden uns die Natalie und Glen dann noch in ein Fischrestaurant in Key Largo ein. Es war ihnen sichtlich unangenehm, daß ihnen solch ein Mißgeschick ausgerechnet mit uns passiert war. Das Restaurant war nichts super feines, wie man es vielleicht in Key Largo erwarten könnte. Wir waren ja auch überhaupt nicht entsprechend angezogen mit unserer sportlichen Freizeitkluft und nassen Füßen. So tat es ein uns angemessenes einfaches Fischhaus samt Außendeck mit Ausblick auf eine Marina und einen dort wohl auf Abfälle wartenden Hai. Das Volk will ja belustigt werden.

Zu guter Letzt kamen wir spät in der Nacht zurück, um sogar gerade noch rechtzeitig mit Natalies Mam auf ihren Geburtstag anzustoßen und in der Gruppe ein Ständchen zu singen. Verpaßt haben wir leider, die den ganzen Nachmittag auf ihre Lieblings Germans wartende Nicole. Sie wollte so gern die letzten Stunden mit uns verbringen, bevor wir ganz verschwinden. Daran hatte ich in der ganzen Aufregung gar nicht mehr gedacht.

Dann war er da, der Tag der Abfahrt aus Homestead. Wir planten unsere Zeit, um mit Bus und Bahn zum Flughafen in Miami zu kommen und fragten Indigo, ob sie uns zum Bus bringen mag, was sie uns auch nicht abschlagen konnte. Hinter unserem Rücken gab Natalie dann Indigo die Freigabe, uns sogar bis zum Flughafen zu bringen, was uns eine Stunde mehr zum Abschied nehmen einbrachte. Ein ausgesprochen feiner Zug von Natalie, die für ihre Großzügigkeit aber auch bekannt ist, wenn sie jemanden mag. Tiefe Traurigkeit lag über unserer Heimstätte der letzten Monate. Und das lag nicht nur am schlechten Wetter und der triefenden Nässe, sondern an der gewachsenen Verbundenheit. Natalie und Glen ließen uns nur ungern gehen. Sie hätten es lieber gesehen, daß wir bleiben. Sie boten uns an, daß wir jederzeit wieder zurückkommen dürfen, um Teil ihrer Familie zu sein. Wir haben wohl wirklich Eindruck hinterlassen, mit unserer deutschen Gründlichkeit, Verläßlichkeit und Präzision. Das machte uns sehr stolz. Wir sind ja auch sehr dankbar, daß die beiden uns so warmherzig und großzügig aufgenommen haben. Das war für uns ein wirklich ganz besonderer Aufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schweren Herzens traten wir unsere Reise an. Als Zeichen, daß wir nicht gehen sollten, verstanden wir auch die Verzögerung unseres Abfluges aufgrund eines Gewitters. Da wollte jemand unbedingt, daß wir bleiben. Durchgesetzt hat sich aber doch der Verstand. Wir fügten uns den Regeln und dem Reiseplan. Was uns wohl in Mexico erwarten wird?  

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Sonntag, 14 November 2021 23:00)

    Was für ein Tier ist denn das dritte Kuscheltier? Und wofür steht es?

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