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Neuseeland - In die letzte Runde!?

Für eine Verschnaufpause aktivierten wir Angebote von vormaligen Gastgebern, uns für je ein paar Tage ein Dach über dem Kopf zu gewähren, wenn wir es brauchten oder wünschten. So hatten wir eine Nacht in Whangarei und anschließend vier in Kawakawa, wo wir unsere müden Glieder reanimierten. Die Suche nach dem nächsten Einsatzort verlief dann auch recht zügig. Noch hatten wir fast zwei Monate, bis unser aktuelles Visum abläuft. Die Zeit muß sinnvoll genutzt werden. Die erste Anfrage erbrachte sofort eine Zusage. So traten wir nun den Weg nach Paparoa an, wo uns Julie mit ihrer ehemaligen Kaffeerösterei, die inzwischen zu einer Unterkunft für ihre Helfer umgebaut wurde, sehnsüchtig erwartete. Sie hatte so viele Ideen, die sie noch auf ihrem Gelände umsetzen möchte. Mal sehen, was wir dazu beitragen dürfen. Paparoa und Umgebung waren zudem auch neu für uns. Das riesige Gebiet um das natürliche Hafenbecken von Kaipara kannten wir bisher nur vom Vorbeifahren. Nun hatten wir etwas mehr Zeit mitgebracht, dies alles zu erkunden. Die erste Woche waren wir aber noch nicht so unternehmungslustig. Wir konzentrierten uns auf die Arbeit, die wir uns selbst einteilen konnten. Was bedeutete, daß wir streßfrei aufwachen und frühstücken konnten, bevor wir in der Regel gegen 10 Uhr in Arbeitssachen bereit für neue Taten waren. Eine war ab nun das alltägliche Sichkümmern um die Hühner, deren es aber nur vier waren. Diese mußten vormittags immer aus ihrem Gehege gelassen und am späten Nachmittag, bevor es dunkel wurde, mit Futter wieder dorthin zurück gelockt werden. Eine weitere Aufgabe war, von unseren Vorgängern neu angelegte Beete mit frischer Komposterde und Mulch zu belegen. Ich habe dazu noch zwei Spezialaufträge angenommen. Die erste war das Bauen von Kompostbehältern und die zweite anspruchsvollere sollte der Neubau eines Hühnerhauses werden. Erschwerend war dabei wieder mal, möglichst nur vorhandenes altes Bauholz unterschiedlichster Art zu nutzen. Raphael bekam dazu den Auftrag, einen Massivholztisch von seinem alten Farbanstrich zu befreien, morsche Schadstellen zu beseitigen und zum Schluß einzuölen. Erschwerniszuschlag gab es dabei für die Härte des Holzes und der eingebrannten Farbe.

So ging die Zeit ins Land. Woche um Woche verstrich. An den Wochenenden statteten wir der West- sowie der Ostküste unsere Besuche ab und erkundeten die nähere Umgebung von Paparoa. Da waren die kleinen Orte Pahi, Tinopai und Whakapirau am Kaipara-Harbour, der von Ebbe und Flut geprägt ist und dadurch immer wieder seine Erscheinung wechselt. Da wir die Ostküste schon ganz gut kannten, verbrachten wir zunächst mehr Zeit im Westen. In Dargaville, dem größten Ort und Ausgangspunkt für die weitere Entdeckungen, versorgten wir uns zum einen mit dem Lebensnotwendigen und zum anderen preiswert mit Puzzles aus dem Secondhandshop. Diese Op-Shops sind in Neuseeland überall anzutreffen. Dort gibt’s quasi alles vom Haushaltsbedarf, Möbel, Kleidung, Bücher, Spiele und einiges mehr. Viele Kiwis haben nicht scheinbar nicht das unbedingte Bedürfnis, viel Geld für neue Dinge auszugeben oder haben es schlichtweg nicht zur Verfügung. Aber wahrscheinlich geht es auf dem Land auch anders zu als in den wenigen Großstädten, wie Auckland. Von Dargaville hatten wir den Zugang zum unendlich langen Weststrand. Von Baylys Beach zieht sich die Küstenlinie zig Kilometer gen Norden und Süden. Jetzt im Winter ist der Bereich wenig besucht. Ob sich das im Sommer ändert? Wahrscheinlich wird der Strand nur von den Offroadfans genutzt, die mit ihren 4WD über die Sandpiste heizen wollen, was allerdings nur bei Low Tide sicher möglich ist. Spaziergänger, wie unsereins, sieht man eher selten. Uns fehlt das passende Gefährt, davon abgesehen, daß wir die Rumkurverei am Strand nicht wirklich gutheißen. Obwohl es einen Grund gäbe, schwach zu werden. Das liegt an der Zufahrt zum von mir anvisierten Pouto Lighthouse, die entweder über eine elend lange Schotterpiste möglich ist oder eben am Strand entlang. Eine Stunde Fahrt ins Glück. Der Leuchtturm steht an der Einfahrt zum Kaipara Harbour, inmitten von Sanddünen. Je nach Wetter- und Windlage werden dort ab und an Wracks von dort unzählig gesunkenen Schiffen freigelegt. Ich wünschte mir, irgendwie nach Pouto zu gelangen. Für Beides fehlen uns aber die Mittel. Mit unserem Mietwagen, einem Stadtauto Marko Fiat Punto ist das ausgeschlossen, zumindest wenn man den Wagen unversehrt zurück bringen will, ganz ohne Abschleppkosten. Obwohl, ein paar Wochen später wagten wir doch einen Versuch, da ich in einer Straßenkarte ausmachte, daß es doch eine befestigte Straße sein könnte, zudem uns eine Bekannte vom Farmersmarkt, die im Nachbarort Whakapirau wohnt, sagte, daß man es ruhig wagen kann. Sie hatte erst im Juli die Strecke mit ihrem Campervan zurückgelegt. Wenn sie es schafft, dann ich erst recht. Die ersten gut 40 von 66 km verliefen auch entsprechend. Die Straße war asphaltiert und wir kamen gut voran bei kaum Verkehr. 25 km vor dem Ziel änderte sich dann doch der Straßenbelag. Die schlimme Schotterpiste, hier Gravel Road genannt, begann überraschend. Ich ahnte schlimmes. Ich versuchte es noch 1 – 2 km, kehrte dann aber um. Mit Tempo 30 und abgefahrenen Reifen, mochte ich diese Tortur nicht auf mich nehmen. Wir hätten ja auch wieder zurück gemußt, wenn dann noch 4 heile Reifen vorhanden gewesen wären. Schweren Herzens steuerten wir am ersten halbwegs sommerlichen Tag mit Temperaturen von über 20 Grad wieder Richtung Dargaville, wo der Highway beginnt. Wir wollten aber nicht schon wieder zum Baylys Beach. So suchten wir uns einen anderen Zugang zur Westküste und fanden ihn bei Te Kopuru, kurz vor Dargaville. Glinks Gully hieß die kleine Siedlung am Strand und erinnerte 1:1 an Baylys Beach. Egal, wir machten uns zu Fuß ein Stück am Strand entlang, der aufgrund der Ebbe sehr zu unserem Leidwesen voller 4WD's, Motorräder und Quads war. Wir suchten uns ein Fleckchen in den Dünen und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Angenehm war dabei auch, daß ausnahmsweise nur ein leichter Wind wehte. Da ließ es sich gut aushalten. Die auf Spektakel und Kunststücke konzentrierten motorisierten Zeitgenossen beachteten wir nicht wirklich, sehr zu deren Leidwesen. Ausgeruht machten wir noch einen Spaziergang am Strand, ohne dabei die gesteckte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zu überschreiten. Das Schild stand da wirklich mitten in den Dünen. Verrückt.

Zurück auf dem Farmland in Paparoa genossen wir das Landleben mit all den versammelten Tieren, gleich ob wild oder domestiziert. Da waren die vielen Piepmätze, die u.a. unter unserem Vordach Quartier bezogen, daneben um einen Tümpel die Sumpfhühner, Gänse, Reiher, Frösche, Greifvögel und dazu zwei Pferde, vier Ziegen, zwei Hunde und entfernt die vielen Kühe auf den benachbarten Weiden. Diese kommen einem dann schon mal ganz schön nah, wenn sie ausgebüchst auf Wanderschaft gehen und die Gravel Road blockieren. Molly, die Katze von Julies Eltern, die angeblich keine Mäuse jagt, muß ich auch erwähnen. Seitdem sie sich auf unsere Terrasse wagt, uns keine Mäuse mehr unsere Beute streitig machen. Besteht da doch ein Zusammenhang? Die kleinen Mäuse wurden ja auch immer verwegener. Anfangs hörten wir sie nur nachts im Gebälk oder im Toaster an etwas knabbern. Dann waren unsere Vorräte nicht mehr sicher vor ihnen. Sie wagten sich sogar bei Tageslicht zu uns und ließen sich kaum stören. Ein Mäuslein war dabei so ungeschickt, daß es mehrfach aus unserer Spüle gerettet werden mußte.. Aus eigener Kraft ging an der metallischen Oberfläche nichts. Das Rascheln und Knuspern endete, als wir alles für Mäuse interessante in festen Plastik- oder Glasverpackungen verstauten. Die verrückten Hühner hab ich dann doch bei der Aufzählung vergessen. Inzwischen leider nur noch drei an der Zahl. Und damit meine ich nicht die drei Ladys, die sich im angeschlossenen Flowershop zusammengetan haben. Raylie, die Floristin, sowie Anne und Ruth, die sich dem Kunsthandwerk widmen. Anne ist gebürtige Australierin, mittlerweile in die Jahre gekommen und lebt mit einem Kiwi auf einer Kuhfarm. Ruth ist geborene Kiwi, allerdings mit einem Holländer verheiratet und samstags auf dem Farmersmarket regelmäßig mit ihrer Folkband musikalisches zum Besten gibt. Die Lebensläufe sind hier in Neuseeland überaus interessant. Die Geschichte der Einwanderer aus aller Herren Länder spiegelt sich da wieder in den wildesten Mischungen. Da können wir mit unseren rein deutschen Angelegenheiten nicht mithalten.

So ziehen die Tage ins Land. Mittlerweile sogar Wochen, gar Monate. Das Chicken Coop steht solide. Kleinigkeiten sind noch zu tun, damit der Einzug der Hühner gefeiert werden kann. Viele Beete sind von Raphael auf Vordermann gebracht worden, damit Julie sie neu bepflanzen kann. Da mittlerweile der Sommer mit besserem Wetter naht, muß das Aufräumen der Garage und das Abschmirgeln einer alten Tür auf die weniger werdenden Regentage warten. Die Kleinigkeiten am Hühnerhaus halten aber ziemlich auf, wie sich herausstellen sollte. Julie wollte viele knallige Farben für ihr Funky Chicken Coop. Ich dachte mir das Farbdesign und Muster aus, was ich mir früher hätte überlegen sollen, zumindest was die filigranen Details anbetrifft. Wasserwege, für den Kaipara Harbour stehend, mit Blüten von Julies Lieblingsblumen, den Fresien und dazu ein gekröntes Huhn am Eingang. Zudem machte mir das noch nicht ganz dichte Dach zu schaffen. Ob nur die Ritzen kitten und drüber streichen oder doch ein Wellblechdach drauflegen ist hier die gute Frage. Bei den starken Regengüssen hier in Neuseeland, man könnte meinen, man sei in den Tropen, wenn es warm genug dafür wäre, muß das Dach schon einiges aushalten können. Entscheiden und ausführen tut Not. Für das Blechdach, was meine priorisierte Wahl ist, mußte ich das erste Mal zum Trennschleifer greifen. Leider ist der von Julie in die Jahre gekommen und mir nicht vertrauenswürdig genug, um ungeschoren davon zu kommen. Zumindest müßte eine neu Trennscheibe her. Nun habe ich noch zwei Tage Zeit, bis die Einweihung mit einer Hochzeitszeremonie stattfinden soll. Zu diesem Anlaß hat Julie vor ein paar Tagen ein viertes Huhn einer ganz besonderen Rasse besorgt, ein Golden Winedott. Dazu kommt in den besagten zwei Tagen ein junger Hahn. Ob Julie sich das gut überlegt hat? Nur gut, daß ich mit dem Innenausbau fertig bin. Der Rest sind Äußerlichkeiten. Mittlerweile sind wir nun schon drei Monate in Paparoa. Normalerweise dauern die Hilfseinsätze 1-2 Wochen. Aber bei Julie sind die Helfer scheinbar öfter länger. Hier läßt es sich nun mal gut aushalten. Es gibt immer genug zu tun. Die Unterkunft ist mehr als nur komfortabel. Wir haben unsere Ruhe und können uns in der Regel den Tag selbst gestalten. Das gibt man nicht einfach so auf. Obwohl es uns zunehmend nach etwas neuem dürstet. Angebote und Anfragen bekommen wir genügend. Ein wenig mehr Kontakt und Konversation zu den Gastgebern täte uns auf jeden Fall gut. Gerade auch, um unsere Sprachkenntnisse zu verbessern. Aber nichts überstürzen. Die Ereignisse in der Welt sind schon aufregend genug. Da tut uns der sichere Platz, wo wir gut aufgehoben sind, sehr gut. Hier könnten wir alles aussitzen und auf ruhigere Zeiten warten. Julie wird auch nicht müde, uns neue Aufgaben aufzutragen. Ideen zur Umgestaltung ihres Anwesens hat sie genug. Es gilt ein Hochbeet anzulegen, Kletterhilfen bzw. Rankgitter zu bauen, unser Gemüsebeet endlich von Nichteßbarem zu befreien und namensgerecht zu nutzen, das Grundstück von den in den Jahren, durch Julies Ex-Mann, gesammelten Unrat befreien, einen Betonsockel für eine kunstvolle Plastik in den Boden zu bringen, einen Weg durch die Obstwiese anzulegen und immer wieder Beikräuter zu zupfen. Das wächst, wie überall auf der Welt, am besten und bei Nässe sowieso. Als wenn das nicht genug wäre, gab es was obendrauf. Zum Einen zwei in die Jahre gekommene, durch Wind und Wetter sehr ramponierte Terrassenstühle zu reanimieren. Eine echte Herausforderung. Jeder Normalsterbliche würde diese durch neue ersetzen. Zum Zweiten eine kreative Aufgabe, einen kleinen transportablen Lehmofen aufzuhübschen. Die Idee ist zunächst, ihn farbenfreundlicher zu gestalten und ggfs. mit einem Keramikmosaik zu versehen. Mal sehen was dabei heraus kommt. Tja, und was soll ich sagen. Beim Werkeln in der werkstattlichen Garage fällt mir immer wieder auf, daß es zu wenig Arbeitsplatz gibt. Es braucht mehr Fläche. So daß ich vorgeschlagen habe, die vorhandene Werkbank zu verlängern. Bedeutet Stützen zu setzen, einen stabilen Rahmen zu konstruieren, eine brauchbare Platte zu finden und einzupassen. Na dann mal gutes Gelingen. Eine Verlängerung unseres Visums bis Ende Februar haben wir inzwischen beantragt, da es weiterhin noch keine wirklichen Reisemöglichkeiten gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dies nicht genehmigt zu bekommen, ist verschwindend gering. Noch sind die Kiwis den im Land verbliebenen Touristen sehr wohl gesonnen. Aufgrund der weltweiten Situation wurde bisher alles pauschal per Regierungsdekret für eine gewisse Zeit verlängert. Aber langfristig planen läßt sich auch damit nicht wirklich. Interessant wäre es ja für uns, ob wir nun ein Auto kaufen oder weiterhin mit dem Mietwagen vorlieb nehmen.

Mittlerweile ist der heiß ersehnte neuseeländische Sommer eingetroffen. Allerdings wird es hier nicht so heiß, wie wir uns das wünschen, auch wenn die Kiwis bereits ächzen. Gefahr droht aber von der Sonne, die zunehmend unerbittlich scheint. Die Regenschauer werden immer seltener. Da geht dann gleich die Angst von Wasserknappheit um. Während man auf dem Land noch das Regenwasser in riesigen Tanks auffängt, verläßt man sich in den Städten und Örtchen meist aber auf die öffentliche Wasserversorgung, die dann natürlich bezahlt werden muß. Obwohl viele auch dort genug Platz für einen Tank hätten, läßt man das in der Regensaison in großen Mengen fallende kostbare Wasser fahrlässig versickern und muß dann in den trockenen Sommermonaten darben. Da gibt es nämlich klare Ansagen von den Behörden, was man mit dem verbliebenen Wasser überhaupt noch anstellen darf. Die Kiwis gehen scheinbar noch recht unbesorgt mit ihren Ressourcen um. Solarkollektoren sieht man auch selten. Meist nur in Form von Solarspots und Lichterketten für die Dekoration. Die für den Haushaltsstrom und warmes Wasser sind hier sehr teuer. Power hat die Sonne auf jeden Fall. Lange sollte man sich dieser nicht ungeschützt aussetzen. Wie soll man da nur auf seinen Vitamin D3 Spiegel kommen? In den Übergangsmonaten vermiest der kalte Wind das Sonnenbad, im Sommer das Ozonloch. Aber die Kiwis sind hart im Nehmen. Temperaturempfindlich sind sie nicht, zumindest was die Kälte betrifft. Wenn die Sonne scheint, packen sie sich in Sunblocker oder vermummen sich bis zur Unkenntlichkeit. Der Rest wird später weggeschnitten. Irgendwie ausgeblendet haben wir auch Weihnachten, welches inzwischen schon hinter uns liegt. Unwirklich waren die im öffentlichen Raum anzutreffenden Dekorationen. Sommer und Heiligabend. Sehr ungewohnt für uns Europäer. Zumindest für die frisch dazugekommenen. Einige sind ja hier schon länger, auch wenn sie mit ihrer blassen Haut nicht für diese Region gemacht sind, ebenso wenig wie die Australier im Land der Aborigines. Gemütlich und besinnlich haben wir die Tage trotzdem gestaltet. Leckeres Essen gibt es zwar jeden Tag bei uns. An diesen Tagen versucht man allerdings es immer noch ein wenig besonderer zu gestalten. Auf die typisch deutschen Speisen verzichteten wir dabei. Obwohl ich zumindest gern versucht hätte, einen Stollen zu backen. Geworden ist es dann ein köstlicher Rührkuchen mit Ananas und Granatapfel. Damit haben wir auch unsere Gastgeberin überrascht, die an Feiertagen ebenfalls über Nacht arbeiten mußte. Das seelische Leid ist auch hier gerade an solchen Tagen nicht wegzureden. Unser gemeinsames Christmas Dinner fand dann erst am 27. Dezember im Beisein von Julies Schwester aus Auckland statt. Wir wurden mit typisch britischem Festtagsessen verwöhnt, dazu mit einem neuseeländischen Nationaldessert. Auch wenn die Australier das für sich beanspruchen. Pavlova ist eine mächtige Sahne Baiser Masse mit roten Früchten, die man mögen kann, aber nicht muß. Natürlich ist Weihnachten ein Fest der Familie. So waren unsere Gedanken zuhauf bei unseren Lieben in Deutschland und der Welt. Die Herzen wurden uns teils schwer. Nicht nur weil wir soweit weg von daheim sind, sondern aufgrund der Zustände, was die Corona-Maßnahmen anbetrifft. Wir haben uns ja freiwillig entfernt und sind selbst Schuld, wenn wir deswegen leiden sollten. Aber allen Anderen wurde auferlegt, nicht zusammen feiern oder öffentliche Veranstaltungen, wie die obligatorischen Weihnachtsmärkte besuchen zu dürfen. Einfach unerträglich. Und noch schlimmer für die, die zusätzlich ihr kleines Geschäft geschlossen halten müssen. Wir können nur hoffen und bitten, daß im neuen Jahr die Restriktionen endlich wieder ein Ende haben. Wegsperren und Maulhalten. Daran sollten wir uns nicht gewöhnen. Das steht uns nicht gut zu Gesicht. Endlich wieder frei, aber verantwortungsvoll mit seinem Leben umgehen können, ohne Repressionen, Ausgrenzung oder Anfeindungen erwarten zu müssen, wenn man anderer Meinung ist.

In Neuseeland geht es, vom ersten Lockdown im Frühjahr abgesehen, relativ frei und entspannt zu. Das Land hat sich ja mehr oder weniger von Beginn an von der Außenwelt abgeriegelt. Niemand darf rein, der kein besonderes Recht, wie das der Staatsbürgerschaft, hat. So blieben die sogenannten Fälle rar, von denen man die Maßregeln allgemein ableitet. Wahrscheinlich ist aber auch, daß mit anderer Anzahl von Testsequenzen gearbeitet wird. Da gibt es ja keine Norm weltweit. Für die eigenen Bürger hat man mittlerweile eine leichte internationale Öffnung nach Australien organisiert, da dorthin schon immer familiäre Bande bestanden. Für uns Touristen stellt sich das noch anders da. Aber im Februar, spätestens März, stellt sich uns die entscheidende Frage, wollen wir bleiben und um eine Verlängerung ersuchen oder versuchen wir ein anderes Ziel anzusteuern, welches sich den Ausländern wieder geöffnet hat. Die Sehnsucht nach weiteren Erkundungen in der Welt, in tropischere Gebiete, ist nach wie vor da. Noch wollen wir nicht seßhaft werden. Sollten wir die Umstände akzeptieren und die Chance nutzen, um hier etwas aufzubauen? Auch wenn es nicht unsere Traumdestination ist! Dafür spräche, daß Neuseeland nicht ganz so überreglementiert und bürokratisiert scheint, wie Europa. Hier kann man einfacher seine Ideen in die Tat umsetzen. Wir üben ja schon fleißig auf dem Grundstück unserer Julie, wie man ein Fleckchen Erde nach seinen Vorstellungen in einen lebens- und liebenswerteren Ort verwandelt. Julie ist so begeistert von unserer Hilfe, daß sie uns gar nicht mehr weglassen mag. Ob wir das ggfs. bei einer anstehenden Visa-Verlängerung geltend machen können? Zu unserer Überraschung bekamen wir dann Post von der neuseeländischen Regierung, daß dann doch schon der 25. Februar Stichtag ist. Entweder das Land verlassen oder ein neues Visum beantragen. Man wies aber darauf hin, daß uns ein normales Besuchervisum nicht mehr genehmigt werden könnte, da wir dann schon über ein Jahr im Land wären. Zur Wahl stand ein bis Ende Juni befristetes Arbeitsvisum, um auf Plantagen oder Farmen zu arbeiten, die dringend nach Arbeitskräften suchten und in den eigenen Reihen keine fanden. Alternativ dürften wir für ein bis zu zweimonatiges Kurzzeitvisum bewerben, wenn wir mehr Zeit für die Planung und Ausführung unserer Ausreise brauchten. Beides war dieses Mal mit erheblichen Kosten verbunden. Wenigstens hatte man uns angeboten, den vorherigen Antrag auf ein Visum zurückziehen zu dürfen, worüber bis jetzt noch gar nicht entschieden wurde, da die neuseeländische Regierung eine generelle Entscheidung der Visa-Verlängerung für alle Touristen ausgesprochen hatte. Damit verbunden wäre eine Rückerstattung der Gebühr verbunden, abzüglich der enthaltenen Touristenabgabe, versteht sich. Immerhin blieben uns damit insgesamt 210 NZ$. Wogegen 245 NZ$ pro Person für das Kurzzeitvisum und 495 NZ$ für das Arbeitsvisum ständen. Gesalzene Preise, selbst wenn man mit der Arbeit etwas verdienen würde.

Das neue Jahr fing also mit Überraschungen an, nach einem sehr beschaulichen Silvester. Wenige Tage nach Neujahr kam es für mich dann dicke. Normalerweise verletze ich mich ja immer nur beim Werkeln. Nun hat es mich beim Spielen mit dem wilden Leo erwischt. Hundeschädel sind echt hart. Eine klaffende aber glücklicherweise kleine Platzwunde am Fuß sollte mich die nächsten Wochen bei vielem behindern. Krank feiern ging nicht. Ich versuchte den Fuß so gut wie möglich nicht zu belasten. Daß hieß aber auch Dusch- und Badeverbot. Und das ausgerechnet im Sommer. Aber ich wollte auf keinen Fall, daß sich die Wunde infiziert. Ich hatte letztlich wirklich Glück im Unglück. Es floß kaum Blut, es gab keine Schmerzen und die Wunde verheilte ohne Komplikationen. Anfang Februar war dann wieder alles gut. Rechtzeitig zum Paparoa Pride, dem ersten seiner Art für das Kaipara District überhaupt, konnte ich den Fuß wieder ohne Einschränkung belasten. Auch wenn es dafür noch gar nicht wirklich nötig gewesen wäre. Die Parade ging durchs kleine Dorf vom Pub zum Village Ground. Länger als eine viertel Stunde waren wir nicht unterwegs. Das Ganze endete dann im Park mit Picknick und Showprogramm. Schön war es trotzdem. Schon allein, weil mehr Teilnehmer erschienen, als die Veranstalter erhofften. Gut gelaunt verputzten wir in der Masse unsere mitgebrachten Reisbällchen und Hafercookies. Die folgenden Tage beschäftigten wir uns, abgesehen vom Arbeiten, mit der Entscheidung, wie unsere Reise weitergehen soll. Ein paar Monate Erntehelfer sein, hätte zwar etwas Geld in die Kasse gespült. Es war aber nicht das, wonach uns der Sinn stand. Wir hofften weiterhin darauf, weiterziehen zu können und liebäugelten wenigstens mit einem erneuten australischen Visum. Die Bubble mit Neuseeland erlaubte ja inzwischen quarantänefreies Reisen. Allerdings vergibt die australische Regierung nach wie vor keine Touristenvisa. Da hilft kein Bitten und kein Betteln. Aber wo sollten wir sonst hin? Um mehr Bedenkzeit zu haben, entschieden wir uns für das zweimonatige Visum. Und um es vorweg zu nehmen. Als wenn ich es geahnt hätte, verlängerte die neuseeländische Regierung automatisch alle befristeteten Visa um genau diese zwei Monate und eröffnete uns sogar die Möglichkeit doch noch bis zu 6 Monate zusätzlich beantragen zu können. Das war wohl der allgemeinen Situation in der Welt geschuldet, da so viele Staaten sich wieder verbarrikadierten. So haben wir fast 500 NZ$ gespart. Nun ging es aber ans Eingemachte, da wir nicht noch einen feuchten kühlen Winter hier erleben wollten. Wir mußten uns entscheiden. Zu dieser Zeit spielten unser Favorit Australien und auch Asien leider immer noch keine Rolle. Kiwis durften zwar ohne Auflagen nach Australien reisen, aber eben noch keine anderweitigen Besucher, auch wenn sie aus dem so sicheren Neuseeland kamen. Asien war bis auf Sri Lanka und Thailand immer noch gesperrt für Touristen. Einreise- und Visa-Regelungen schienen uns zu kompliziert und zu teuer. Des Weiteren kam dabei die Frage auf, wohin danach? So blieben letztlich Afrika und das große Amerika, von Nord nach Süd. Einen Hauch Afrika hatten wir bereits auf einer vorherigen Reise mit den Kapverden geschnuppert und waren begeistert. Allerdings erschien uns aktuell das Reisen dort zwar möglich, aber zu kompliziert. Amerika schien uns da die bessere Wahl zu sein, mit Destinationen wie Costa Rica und Mexiko, obwohl wir es nicht persönlich kannten. Bisher hatten wir nur in Berichten, Dokumentationen, Geschichten und Filmen etwas vom dortigen Leben vernommen. Letztlich ließen wir uns von der Einfachheit der Einreiseregelungen leiten. Kein PCR-Test, keine Quarantäne und ein 90 tägiges Visum, daß sogar einmalig verlängert werden könnte. Das klang gut. Bei der Suche nach Flugmöglichkeiten bemerkten wir dann, daß von Neuseeland und Australien derzeit alle Flüge über die USA gehen, die ihrerseits den PCR-Test verlangen, selbst für einen Transit. Da kam uns die Idee, wenn wir eh über die Vereinigten Staaten fliegen, können wir doch gleich etwas Zeit dort verbringen. Die Frage war nur wo? Die Flugroute legte Kalifornien nahe, welches auch unser Favorit war. Aber Kalifornien verlangte zusätzlich noch eine 10 tägige Quarantäne und schied somit aus. So kam uns der Sunshine State Florida auf den Plan, der zudem genauso nah an Mexiko liegt und sogar das wärmere Klima versprach. Als Zeichen verstanden wir bei der Suche nach einem Reiseführer, daß die Buchhandlung ausgerechnet den für Florida zum halben Preis verkaufte. So ließen wir Zentralamerika auf dem Stapel liegen. Der hatte nun noch Zeit. Mit der Entscheidung für Florida kamen unsere Lebensgeister zurück. Unsere Laune stieg spürbar. Wir hatten einfach ein gutes Gefühl dabei. Und davon soll man sich ja leiten lassen. Endlich passiert wieder etwas, mit dem Sprung über den großen Teich, sprich dem Pazifik. Wir fanden sogar einen bezahlbaren Flug mit United Airlines in Kooperation mit Air New Zealand. Leider konnten wir dort aber nicht unseren bei Air NZ aktiven Kredit verwenden, den wir noch von der Flugstreichung nach Neukaledonien hatten. Die Welt ist einfach zu kompliziert gestrickt. Eine direkte Buchung bei Air NZ hätte uns zwar sogar einen Direktflug in die Staaten serviert, aber dies trotz Verrechnung mit unserem Guthaben zu einem wesentlich höheren Preis. So nahmen wir den kleinen Umweg und damit einen Stop mehr in Kauf. Auch wenn der Aufenthalt in Sydney etwas wehmütig machte, weil wir ja nicht den Transitbereich verlassen dürften. Wie schön wäre es gewesen, nochmals unsere Freundinnen, Jan und Ellen zu treffen. Dies sollte uns verwehrt bleiben. Eine Spur Hoffnung kam auf, als unser Flug von Auckland nach Sydney um zwei Tage vorverlegt wurde. Glücklicherweise haben wir den Fehler von United Airlines rechtzeitig bemerkt, da Ticket und Buchung unterschiedlich ausgestellt waren. Sollten wir es jetzt wagen ein Transitvisum für bis zu 72 h für Australien zu beantragen? Eine Woche vor dem Flug erschien uns das zu ungewiß. Zudem hätten wir dann den Test auch noch in Sydney machen müssen. Alles zusammen war mit zu viel Streß verbunden. So tätigten wir einen Anruf bei United Airlines in Amerika, um zu klären, welche Varianten nun möglich seien. Zu guter Letzt fand sich eine Lösung, alle Flüge ohne lange Zwischenstops um zwei Tage vorzuverlegen. So mußten wir nur noch die Unterkünfte und den Mietwagen umbuchen, was aber zügig erledigt war. Eine scheinbare Hürde sollte noch das COVID-Testergebnis sein. Der Abstrich darf frühestens 72 h vor dem Abflug genommen werden, so daß das Ergebnis erst Stunden vor dem Check In feststeht. Das fühlte sich für uns wie Russisch Roulette an. Während Raphael schon sehr besorgt über den Umstand war, war ich dem negativen Ergebnis nicht bange. Aber was, wenn ich falsch lag. Raphael hatte sich ja auch noch eine Erkältung eingehandelt, was seine Panik zusätzlich steigerte. So wären die Flüge futsch und die Unterkünfte für die erste Woche in Miami umsonst bezahlt. Der blanke Horror. Wir haben gegurgelt und inhaliert, was das Zeug hält und der Kräutergarten hergab. Und was soll ich sagen? Es ging alles glatt über die Bühne. Die Ärztin in Dargaville machte ihren Job gut und uns zusätzlich Mut, mit den im gesamten letzten Jahr aufgespürten drei positiven Tests. Das Labor in Auckland tat sein übriges. und servierte uns das Negativ-Ergebnis noch schneller als angekündigt. So konnten wir den letzten Tag in Neuseeland ruhig angehen, wenn da nicht mein Fauxpas bei der Abstellung des Mietwagens gewesen wäre. Ohne zu kontrollieren, ob ich die Verriegelung wirklich aktiviert hatte, ließ ich den Schlüssel unwiderruflich in die Schlüsselbox fallen. Unsinnigerweise kontrollierte ich dann die Beifahrertür. Und siehe da, nicht verriegelt. Nun war die Aufregung riesig, insbesondere bei Raphael, der unser mühsam Erspartes rasant schwinden sah. Den Mietwagen unverriegelt auf der Straße stehen zu lassen, verhieß nichts Gutes. Aber was sollten wir tun? Das Büro ist erst am nächsten Tag wieder geöffnet und bewachen unsererseits war auch illusorisch. Erst die beruhigenden Worte unserer Hostess in Auckland ließen Raphael gelassener werden. Sie meinte, daß es sehr unwahrscheinlich sei, daß der Wagen bei Öffnung der Station verschwunden ist. Wir bekamen am nächsten Tag weit entfernt von Neuseeland die Bestätigung vom Manager, daß alles Bestens ist und er uns eine gute Reise wünscht. Ende in Neuseeland gut, alles gut!?

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Kommentare: 3
  • #1

    Claudia Wasser (Freitag, 11 Juni 2021 10:33)

    Vielen Dank für die schöne Schilderung und die wunderbaren Bilder! Ich wünsche euch viel Glück und weitere so positive Erlebnis auf eurer Reise!

  • #2

    Maria H. (Freitag, 02 Juli 2021 12:48)

    Lieber Steffen,
    das ist für mich von den Terrassenstühlen angefangen über die beeindruckende, neue Werkbank bis zum wunderhübschen Hühnerhaus, über den perfekt angelegten, idyllischen Fußweg bis hin zur ausgefallenden Paketbox und dem kunstvollen Vogelhaus eine beeindruckende Werkschau Eures Schaffens.
    Du bist und bleibst für mich "der Mann, der alles kann".
    Seid weiterhin behütet und beschützt.
    Maria

  • #3

    Maria H. (Freitag, 02 Juli 2021)

    ...und jedes der Bilder ist wirklich bilderbuchreif.

Copyright © 2020 Steffen Schmoll

steffen.schmoll@posteo.de