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Bewegung ist Trumpf

Endlich wieder ans Meer. Nun, da mittlerweile das Gefährdungslevel von der neuseeländischen Regierung nach und nach heruntergesetzt wurde, zunächst von Stay at Home auf Stay Local, dann auf Stay in Region und endlich auf Stay in New Zealand, können wir wieder unseren Bewegungsdrang auskosten. Zwar immer noch nicht international, sondern nur national. Aber immerhin. Das nahmen wir gerne an. So führten uns die ersten Ausflüge zu den Stränden rund um das große natürliche Hafenbecken von Whangarei.  Da waren an der nördlichen Küstenlinie der Ocean Beach, Mc Gregors Bay, Whangaumu Bay, Matapouri Bay, Whale Bay, Helena Beach, Otamure Bay und an der südlichen der Waipu Cove Beach, Langs Beach und Mangawhai Heads Beach. So schön auch unsere Abenteuer in Whangarei, insbesondere im Quarry Garden waren, freuten wir uns riesig, daß Steffen uns alle überall hin kutschierte. Ein schlechtes Gewissen hatten wir nicht, da wir wußten, daß er selbst ein großer Fan des Strandlebens ist. Allerdings wurde uns bei der ganzen Kurverei über die kleinen Küstenstraßen regelmäßig übel, insbesondere dem Raphael, während Steffen voller Begeisterung einen heißen Ritt nach dem anderen auf den Asphalt legte. Wir hoben uns unsere Energie für andere Sachen auf.  Wir hielten Ausschau nach Walen, scheuchten die Seevögel auf, sammelten bezaubernde Muscheln und hinterließen unsere Spuren im Sand. Was war das ein Spaß. Der dann aber auch mal zu Ende gehen mußte. Raphael und Steffen überlegten sich, nicht nur auf der faulen Haut liegen zu wollen, sondern Leuten, die Haus, Hof und Garten nicht alleine bewältigen können, ihre tatkräftige Hilfe anbieten. Im Gegenzug verhieß das, Kosten für Verpflegung und Unterkunft zu sparen, was ja auch nicht zu verachten ist, bei dem was wir alle noch zusammen vorhaben. So führte uns der erste Einsatz als Volunteere weiter in den hohen Norden Neuseelands, ins Honeymoon Valley. Da waren echt Hund und Katz begraben. Dafür begrüßten uns andere Zweibeiner. Eine Schar Hühner und zwei um die Wette krakeelende Hähne machten immer wieder auf sich aufmerksam. Die Hähne allerdings schon morgen ab 3 Uhr. Wir hätten sie am liebsten geschlachtet. So gut uns die Ruhe ansonsten tat, hat das Landleben wohl auch seine andere Seiten. Da kann man nicht wählerisch sein. Da wird gemacht, was getan werden muß, selbst wenn es um die Entfernung des Kuhmistes zur Nutzung als Dünger im Garten geht. Schwerstarbeit war auch mit dem Schlagen von Brennholz verbunden. Was tut man nicht alles für eine wohlig warme Stube. Dafür gab es leckere Früchte, frisches Gemüse aus dem Garten und köstliche Abendmahle unserer Gastgeberin. Warum ich mir nicht meinen eigenen Salat vom Beet holen durfte, erschloß sich mir allerdings nicht wirklich. Dafür hätten wir uns fast einen Wildschweinbraten aus dem angrenzenden Wald besorgen können. Ein riesen Exemplar stattete uns immer wieder einen nächtlichen Besuch ab. Eine Fotofalle hat das dokumentiert. Ein Prachtstück, welches uns ein wenig Furcht einjagte, so nah wie es uns kam. Die Spuren durften wir jeden Tag beseitigen. Nachdem wir die Absperrungen nachjustierten, war dann allerdings Ruhe. Den einen Ruhetag mitten in der Woche nutzten wir für eine Tour ans nördlichste Kap Neuseelands, das Cape Reinga. Da staunten wir nicht schlecht, wie zwei Meere aufeinander trafen, dazu die mystischen Geschichten der Maoris. Dort hätten wir Tage verbringen können. Aber noch wollten wir nicht ins Jenseits zu den Ahnen aufbrechen, so daß wir den Rückzug ins wunderschöne Arbeitslager antraten. Nach einer insgesamt arbeitsintensiven Woche brauchten wir dann erstmal eine Erholung und freuten uns, daß Raphael und Steffen das ähnlich sahen und uns eine Unterkunft am Meer in Cable Bay besorgten. Jetzt hieß es für uns, die müden Glieder für die zukünftigen Einsätze zu erfrischen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Dienstag, 07 Juli 2020 12:24)

    Das erinnert mich doch sehr an mein Leben in Nütheim inklusive dem Ärger mit dem Hahn - nur als echte Bauerntochter störte mich nicht sein nächtliches Krähen, das habe ich nie wahrgenommen - er sprang mir aber regelrecht auf die Figur - ein echter Kampfhahn. Das wurde zunehmend kriminell zumal ich ein Kind war. Da beschlossen wir, er kriegt den Kragen ab, und wird Suppenhuhn und wir besorgten uns ein friedlicheres Exemplar. Puh!
    Schön, dass es wieder ans Meer ging.
    Und klasse, dass Ihr auch Arbeit fandet, ist ja vielleicht auch nicht selbstverständlich.
    Bin gespannt, wie's weiter geht.
    Best of luck!

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