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Die Suche nach dem Kiwi

Karl ist nun nicht mehr allein unterwegs. Kurz vor dem Abflug von Sydney nach Auckland hat sich ihm der kleine Bill angeschlossen, der genug von den ganzen Waldbränden in Australien hatte und sowieso auch mal was anderes sehen wollte. Nun hieß es für die beiden auf ins Abenteuer in ein den Beiden bis dahin fast unbekanntes Land. Was werden sie entdecken, wem werden sie begegnen, vielleicht noch einem Weggefährten? Von den Geschichten Tolkiens um den einen Ring und von seltsam anmutenden Vögeln hatten sie ja schon gehört. Aber war das Fiktion oder Realität? Alle waren auf jeden Fall froh, daß Steffen seine Scheu vor dem Linksverkehr schnell ablegte und den Vieren eine seinesgleichen suchende Roadstory auf die Straße legte. Die Stadt Auckland war ihnen viel zu laut, unruhig und wuselig. Sie wollten das Land erkunden, mit seinen spektakulären Landschaften und wilden Ureinwohnern. So richtig wild ging es anfangs nicht wirklich zu. Die Maori sind nur noch zur Belustigung der Touristen wild und die Tiere, die man sieht, sind im wesentlichen eingepferchte Schafe und Kühe. Da loben sich Karl und Bill ihre Freiheiten. Sie ritten auf einem bunten Drachen, flogen eine kleine Runde mit eisernen Vögeln, inhalierten Schwefeldämpfe, bestaunten riesige aus dem Ozean angeschwemmte Algen, versuchten Seelöwen aus der Reserve zu locken, Albatrosse einzufangen, wanderten durch uralte Regenwälder, balancierten auf zu Stein gewordenen Baumstämmen, bauten sich Höhlen, spielten mit dem Gedanken eine Raftingtour zu machen, bestaunten den nächtlichen Himmel der südlichen Hemisphere und trafen noch so einige fremde Tiere. Von den in Neuseeland einheimischen sahen sie bisher leider wenig. Kiwi, Kea und Kakapo blieben unsichtbar. Immerhin hörten sie den Ruf des Kiwis das eine oder andere Mal nachts. Wenigstens den Tui mit seinem besonderen Ruf durften sie dagegen live verfolgen. Da war die Freude groß. Aber sie geben nicht auf. Sie hoffen auf weitere Chancen, die anderen Zeitgenossen anzutreffen. Jetzt wo Raphael und Steffen die Reise um weitere 4 Wochen verlängert haben. Allerdings eher aus der Not und nicht aus Vergnügen, wie sich später rausstellte. Nun sind sie alle Vier im Northland der Nordinsel angekommen und hüten das Heim, zusammen mit ihrer bezaubernden Gastgeberin Julie. Heutzutage nennt man das "Stay at home". Was die Menschen sich alles einfallen lassen. Große Erkundungen sind nun leider erstmal nicht mehr drin. Immerhin gibt es hier einen subtropischen Garten mit angrenzendem renaturierten Wald, wo sie sich noch verlaufen können. Das nutzen sie nun rege und hoffen auf baldigen größeren Auslauf. Es gibt doch noch so viel zu sehen, wie den größten Kauri-Baum zum Beispiel und die nördlichste Spitze Neuseelands. 

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