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Neuseeland - Ein Mißverständnis?

Wie kam es, daß wir plötzlich in Neuseeland landeten? Das war doch überhaupt nicht unser Plan! Ursprünglich wollten wir nach unserer Aufwärmzeit in Australien nach Asien gehen. Da buhlten die Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Indonesien und einige andere um unsere Gunst. Wir hatten schon viel Zeit aufgewendet, verschiedene Routenpläne auszuarbeiten. Da mußten die Wetterbedingungen mit den Visa-Bestimmungen, Reisemöglichkeiten und den Preisen abgestimmt werden. Dann kamen die ersten Zweifel auf. Auf den Philippinen drohte ein Vulkan zu explodieren, nachdem dort schon Taifune gewütet hatten. Dazu kam die Scheu vor Tropenkrankheiten, wie Dengue und Malaria, wo wir keine Lust drauf hatten. Von Corona war da noch kaum die Rede. Außerdem wollten wir ungern lange fliegen. Aber welche internationalen Ziele gibt es sonst noch ab Sydney? Jeweils ca. 3 h sind Neukaledonien und Neuseeland entfernt. Fiji und Samoa je 4-5 h. Alles besser als 8-9 oder mehr! Nun kam es, daß wir permanent mit Reiseberichten von Bekannten, Arbeitskollegen und Freunden konfrontiert wurden, die  jeweils schon mal in Neuseeland weilten. Dazu lernten wir in Sydney, mittlerweile dort ansässige Neuseeländer kennen. Alle waren einmütig der Meinung, wir sollten das Land unbedingt erkunden. War das ein Zeichen? Irgendwie ließen wir uns animieren. Uns war klar, daß es kein günstiges Reiseziel ist, dazu der Sommer noch zu Ende geht. Wir wollten doch in die Wärme und wenig Geld ausgeben, damit das Angesparte möglichst lange reicht. Ein Jahr ist lang.

Da wir wohl doch noch nicht so abenteuerlustig sind, buchten wir Flüge nach Auckland, Neuseeland. Wir entschieden uns für das Vertraute. Neuseeland hat viel Ähnlichkeit mit Australien. Die britischen Europäer sind präsent, gar dominant. Statt der australischen Aborigines haben wir es nun mit den Maori zu tun, ein stolzes und kämpferisches Volk. Wenn  uns etwas besonders an Neuseeland reizte, dann war es genau diese Volk. Im Hintergrund standen aber auch noch die Geschichten von Tolkien mit den Hobbits und dem Ring. Würden wir diese Schauplätze wiedererkennen? Alle Regularien hatten wir nun abgewickelt, Hinflug gebucht, Einreisegenehmigung eingeholt und das obligatorische Weiterflugticket gekauft. Ohne dieses bzw. ein Rückflugticket in ein Land, wo man ein Visum besitzt, ließ einen bis dahin auch schon niemanden mehr ins Land. Für Langzeitreisende echt eine Tortour. Man will sich doch noch gar nicht entscheiden müssen, wie lange man wo bleiben möchte. Man weiß doch gar nicht, wie es einem gefällt, was einem passiert. Es wäre toll, wenn man da flexibler wäre. Nun gut, wir taten, was wir mußten und entschieden uns für Neukaledonien. Ein Traumziel für Raphael! Auch eins für mich? Zumindest ist es der Einstieg in die Südsee, die mich schon lockte. Und was das Photographische angeht, haben die Natur, die Küsten und das Wasser Besonderes zu bieten. Dazu ist es europäisch durch die Franzosen geprägt und es gibt den gewohnten Rechtsverkehr auf den Straßen. Die Kultur der indigenen Kanak hat bestimmt ebenfalls seinen Reiz. Auf jeden Fall ist es auch wieder nur ein gut 3 h Flug und ins Land dürfen wir auch ohne Visa für 90 Tage. Wenn das keine Aussichten sind. 

Aber zunächst traten wir den Flug mit der südamerikanischen Latam Airline an, die uns kurzerhand aber nicht ohne tüchtig durchgeschüttelt zu werden nach Auckland brachte. Die Tasman Sea ist für ihre Winde berüchtigt. Zur Eingewöhnung hatten wir uns für die ersten Tage eine AirBnB-Unterkunft gebucht, etwas außerhalb des Zentrums, aber gut mit Bus und Bahn zu erreichen, wenn man sich auskennt. Die ersten Schwierigkeiten hatten wir dann schon mit dem public transport vom Flughafen in die Stadt. Noch ohne eigene SIM für Onlinerecherchen mußten wir auf Auskünfte an Infoständen und Aushangfahrplänen zurückgreifen. Wenn man die Stadt nicht kennt, ist das aber wirklich eine Herausforderung. Dazu gibt es in Auckland mehrere Busunternehmen, die verschiedene Routen bedienen, zum Teil mit erheblichen Preisunterschieden., insbesondere beim Flughafenshuttle. Irgendwann hatten wir dann unser Ziel erreicht und wurden zum Einen von einer Gemeindeveranstaltung überrascht, wo wir mit Maori-Klängen begrüßt wurden und zum Anderen das unsere Gastgeberin uns zu einem Abendmahl einlud. Okay, es waren nur die nicht geschafften Reste eines gerade stattfindenden Dinners mit Freunden aus Perth, Australien. Für uns war es ein Festmahl, mit der Soße aus der berühmten neuseeländischen Lammkeule. Das sollte fürs erste genügen. Die nächsten Tage vergingen mit Sightseeing und der Suche nach gutem Brot, was sich in Neuseeland noch schwieriger erweisen sollte, als in Australien. Nach en paar Tagen merkten wir schnell, daß wir aus der Stadt raus müssen, daß uns Auckland, als die kleine Schwester von Sydney betitelt, uns zunehmend nervte. Wir wollten ins Land, in die Weite, in die Freiheit. Da wir inzwischen für die Reise auf die Südinsel, wo wir unsere große Rundfahrt starten wollten, einen Transfer eines Campervans von Auckland nach Christchurch vermittelt bekommen haben, hatten wir noch 3 Tage Zeit für einen Abstecher ins Northland. Wir mieteten kurzerhand ein Auto und buchten eine Unterkunft in Whangarei, kurz vor der Bay of Island. 

Bisher sträubte ich mich ja, selbst als Fahrer am Linksverkehr teilzunehmen. Aber mit den Öffentlichen ist es außerhalb der Städte doch sehr beschwerlich. Dazu kam, daß ich mir schon etwas Fahrpraxis zulegen wollte, bevor ich einen größeren und sperrigeren Campervan rangieren sollte. Mittlerweile weiß ich gar nicht, warum ich mich so angestellt habe. Die Umstellung gelang doch rasend schnell, im Vergleich zu den zugelassenen Geschwindigkeiten auf Neuseelands Straßen. Einzig die bei den vornehmlich anzutreffenden japanischen Modellen vertauschten Bedienelemente für Licht, Blinker und Scheibenwischer weist mich noch ab und an als Ausländer aus. Etwas anderes wurde auch schnell bewußt. Neuseelands Straßen sind wirklich anders als wir es gewohnt sind. Man muß mehr Zeit einplanen und das nicht nur wegen der vielen Baustellen im Land, sondern auch wegen der Streckenführung und Ausbau der Straßen. Wenn es in den wenigen Ballungsräumen noch 2 oder gar 3 spurig mit dem Highway los geht, wird der außerorts schnell einspurig. Wenn man Glück hat gibt es ab und an noch die sogenannten Passlines für die Heizer unter den Fahrern. In der Regel sind die Trucks aber genauso schnell, wenn nicht schneller als die PKW. Das erzeugt schon mal Druck. Es kann auch gut sein, daß der Highway unversehens zu einer Berg- und Tal- samt Kurvenfahrt wird, wo man nicht schneller als 15 - 20 km/h fahren kann. Dazu kommen dann die vielerorts vorhandenen einspurigen Brücken über einen Creek oder River, wo wechselnd der Verkehr fließt. Ist schon interessant, was sich die Kiwis noch so leisten. Das sind dann quasi deren verkehrsberuhigte Zonen. Interessant wird es auch, wenn einem ganze Häuser, die gesamte Straße einnehmend, entgegen kommen. Da weiß man gar nicht, wohin man so schnell mit seinem eigenen Gefährt soll. Da rettet nur der Grünstreifen, wenn einer vorhanden ist.

Der Trip in den Norden machte einfach Lust auf mehr. Es war ein Volltreffer. Das Wetter spielte mit und die Gegend trumpfte mit ihren reizenden Küstenabschnitten, z. B. der Whale Bay. Unsere Gastgeberin mit ihrem tollen Heim waren auch eine Wucht. Schade nur, daß wir so wenig Zeit mitbrachten. Wir stellten aber in Aussicht, nach der Südrunde nochmals vorbeizuschauen. Nach den eindrucksvollen Sommertagen am Meer sollte nun für uns das richtige Abenteuer starten. Die Überfahrt des Campervan stand an. Praktischerweise fand das Drop off und Pic up beim selben Vermieter statt. Planung ist alles. Ab sofort hatten wir dann unser Bett an Bord. Wir mußten nur noch festlegen, welche Route wir nehmen, wann wir wo sein wollen und welche Fähre wir für die Überfahrt von der Nord- auf die Südinsel buchen, um pünktlich in 6 Tagen den Van abzugeben. Letztlich hatten wir uns ja sehr kurzfristig entschieden, daß wir nicht mit Bus und Bahn, sondern mit dem Auto bzw. Campervan unabhängig und flexibel das Land erkunden wollen, auch wenn uns das mehr Geld kosten sollte. Wir entschieden uns für drei Übernachtungen im Norden und zwei im Süden. Im Norden waren es in der Region um Taupo, bekannt für seine Geothermalquellen, das Örtchen Wairakei, wo wir einen kleinen versteckten Campground ansteuerten, der einen eigenen Naturpfad zu den nahegelegenen Thermalquellen pflegte und wo verschiedenste Tiere frei herumlaufen durften. Nach einem Besuch des sehens- und geruchswerten Orakei Korako Geothermalparks am nächsten Morgen steuerten wir das Örtchen Mangaweka, mit einem Campground am Rangitikei River in einem ehemaligen Steinbruch an. Leider waren wir zu spät dran, so daß wir das Bad im Fluß nicht mehr in der Sonne nehmen konnten. Letzte Station war die Hauptstadt Wellington, von wo aus uns die Fähre am nächsten Morgen auf die Südinsel bringen sollte. EIn bißchen mulmig war mir ja schon vor der 3 1/2 stündigen Überfahrt durch die oft stürmische, zumindest windige Cook Strait. Wir hatten es gut abgepaßt und bestes Seewetter mit Sonne und kaum Wind. Ich hatte mich ja mit Absicht für die morgendliche Fähre entschieden, nachdem ich durch Beobachtungen der vergangenen Tage feststellte, daß der Wind immer erst nachmittags aufkam. Jetzt galt es nur noch früh aus den Federn zu kommen, um den Check In nicht zu verpassen. Aber was geschah? Wir überhörten den extra gestellten Wecker. Gut, daß wir nicht die Einzigen auf dem Campingplatz waren, die dasselbe Schiff ansteuerten. So wurden wir von einer gewissen Geräuschkulisse geweckt. Spätestens als die Rockergang auf ihren Harleys morgens um 7 die Maschinen starteten, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Mit etwas Eile bei der Morgentoilette und schnellem Zusammenräumen kamen wir pünktlich am Schiff an und reihten uns in die Schlange für das Boarding ein. Irgendwie vergingen die langen 3 1/2 h dann doch, so daß wir kurz nach Mittag in Picton landeten, wovon wir unseren Trip auf der Straße an der Küste entlang in Richtung Christchurch fortsetzten. Station machten wir dann noch einmal nahe Kaikoura in der Goose Bay, wo wir kurz vor der Abenddämmerung die vom Campgroundbesitzer angepriesenen Delphine weit draußen im Meer bewundern durften, bevor wir frohen Mutes in Christchurch ankamen und am nächsten Morgen den Camper anstandslos übergaben.

So hatten wir den zweiten Sprung hinter uns gebracht. Erst den nach Neuseeland überhaupt und dann noch den auf die Südinsel. Wer oder was wird uns noch alles begegnen? Geplant war das so zunächst nicht. So richtig warm geworden waren wir auch noch nicht wirklich mit dem Land, das von vielen so umschwärmt wird. Mag sein, daß das einige nicht verstehen werden. Wir empfanden beim Anblick der ach so vielen zudem von der Sommerhitze ausgedörrten Weiden für die allerorts anzutreffenden Schaf- und Kuhherden, vor den überall präsenten Berglandschaften, mit ihren immer gleichartigen Baumplantagen der Holzindustrie, eigentlich mehr Langeweile als Vergnügen. Sollte sich das auf der Südinsel ändern, auch wenn die ersten Kilometer keine Besserung in Aussicht stellten? Wir hofften sehr. Letztlich hatten wir schon einige schöne Erlebnisse. Wir haben interessante Menschen getroffen und kennengelernt, ob nun Maori, Kiwi oder Touri. Wir haben beeindruckende Orte für uns entdeckt, wo wir gern länger hätten verweilen wollen. Das verdiente schon eine weitere Chance. Aber dazu mehr im nächsten Blog.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Samstag, 11 April 2020 12:39)

    Ihr Glückspilze!
    Wenn schon shut-down, dann lieber in Neuseeland als in den oben genannten Asienziele. Da geht das momentan nicht so gemütlich ab. Insofern habt Ihr doch alles richtig gemacht. Va bene!
    Maile Euch morgen oder so, komme heute glaube ich nicht dazu. Habe mich sehr über Eure Mail gefreut. Merci cherie!

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