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Draußen in Bundeena

Nun sollte es das erste mal raus aus Sydney gehen. Wir hatten uns eine Unterkunft in Bundeena, einer kleinen idyllischen Künstlerkolonie, südlich von Sydney ausgesucht, die am Meer bzw. am Port Hacking, umsäumt vom 150 km² großen Royal National Park, liegt. Allein schon der Weg dahin verhieß, daß es weit draußen sein sollte. Über eine halbe Stunde mit dem Bus von Watsons Bay bis Edgecliff. Weiter mit der Bahn über eine Stunde bis Cronulla. Zu guter Letzt eine halbstündige Überfahrt nach Bundeena mit einer kleinen Fähre oder war es doch eher eine überdachte Nußschale. Angekommen durften wir erfahren, daß Bundeena über 25 km vom Stadtzentrum entfernt doch noch zu Sydney gehört. Sachen gibts. Aber allein die Überfahrt verhieß schon viel. Wir hatten bestes, heißes Sommerwetter, so daß wir uns bevor wir uns verbrannten, drinnen einen Platz suchten. Aber was wir draußen sahen war wirklich berauschend. So muß es sich in der Südsee oder der Karibik anfühlen. Die Umgebung mit den Häusern am Wasser mit den grünen Wäldern im Hintergrund, das türkisblaue Wasser mit den Booten und Yachten, dazu die Sandstrände und Felsbuchten. Diese Farben waren eine Pracht. Wir wähnten uns auf dem Weg ins Paradies. Aber was war das plötzlich. Das kleine Boot tanzte wie aus dem Nichts auf den kaum wahrnehmbaren Wellen. Den Naturgewalten ausgesetzt, schwankte es von links nach rechts, nach vorne und hinten, es schlingerte und wippte rauf und runter. Was Meeresströmungen so alles bewirken können. Ich Landei hatte echt meine Zweifel, daß wir trockenen Fußes in Bundeena anlanden. Raphael war da viel gelassener und die Crew sowieso. Die waren schon was ganz anderes gewohnt und wußten, was ihr Boot verträgt, welchen Weg sie an der Küste durch die Strömungen vorbei an Sandbänken nehmen müssen. Aber was sollte das erst bei wirklich schlechtem Wetter werden. Ich habe mir das Schauspiel der Ein- und Ausfahrten in den nächsten Tagen immer wieder am Fähranleger angesehen und nur gehofft, daß wir an unserem Abreisetag ruhiges Wetter haben werden. Um dem vorwegzugreifen, die Abreise war nach einem dreitägigen Unwetter geplant und die See damit noch so aufgewühlt, daß der Fährdienst für diesen Tag gecancelt und ein Bustranfer eingerichtet wurde. Ich hätte schon noch mal gern die Mutprobe für mich bestanden! Na die hatten wir vorher schon auf andere Art auf verschiedenen Coast Trails durch den Nationalpark. Die Forest Trails mitten durch bzw. im Nationalpark konnten wir auf Grund des Wetters leider nicht mehr gehen, obwohl sie wohl auf Grund des vielen Regens sehr interessant geworden wären, vorbei an wilden reißenden Bächen und tiefen Schluchten. Die letzten Tage unseres Aufenthaltes harrten wir so nun mehr oder weniger in unserer Unterkunft aus und warteten auf das Ende des Sturmtiefs. Das hatte aber insofern etwas gutes, daß sich unsere ach so müden Muskeln ein wenig erholen konnten. Die vier Touren an der Küste entlang hatten es schon in sich, vor allem die Große mit Start am Garie Beach und Ende in Otford. Was war das ein Gekraxel. Bergauf, bergab, durch tiefen Sand, entlang an steilen schroffen Klippen, nicht ganz ungefährlichen natürlichen Rockpools (wie dem Figure 8 Pool), über grüne Wiesen, durchs Buschland und den Überresten von alten Regenwäldern, Palm Jungles und immer nah am wilden Ozean mit seinem sprühenden Charme oder war es die Gischt. Ein Abenteuer war aber auch der Public Transport bzw. das Shuttle Bus System im Nationalpark. Drei verschiedene Routen die mehr oder weniger miteinander vernetzt bzw. aufeinander abgestimmt waren, machten es uns nicht wirklich einfach. Australien ist halt auch ein Autofahrerland. Immerhin toll, daß es überhaupt einen Shuttle gab, sonst hätten wir die großen Touren enfernt von Bundeena gar nicht antreten können. So konnten die Aussies zudem unter Beweis stellen, wie flexibel sie sind. Da wir Shuttle 2 nicht regulär mit unserer geplanten Ankunft von Shuttle 1 erreicht hätten, hat unser Driver den anderen Fahrer per Mobilphone von unserem Umsteigewunsch informiert und uns irgendwo auf der Straße ausgesetzt, wo der andere in wenigen Minuten entlangkommen mußte. Und siehe da, es hat wunderbar geklappt. Aber das kann man doch nicht bei jedem Abschnitt, bei jeder Tour arrangieren, vor allem wenn der Bus voller Leute ist, die alle woanders hin wollen! Okay, bisher fahren die Busse auch meist leer, weil angeblich kaum einer diesen Shuttleservice kennt. Da muß etwas verläßliches her. Keine Sorge, meine Mail an die Parkverwaltung ist quasi unterwegs. Wäre doch gelacht, wenn wir Deutschen das nicht geregelt kriegen. Das viele in die Hand genommene Geld soll ja Leute anlocken und nicht abschrecken. Uns hat der Aufenthalt in Bundeena trotz alledem sehr gut gefallen und wir werden, wenn wir wieder mal nach Sydney kommen sollten, einen Abstecher dahin machen. Es war für uns Städter doch eine ausgesprochene und erholsame Ruhe, die uns umrahmt von der Natur einfach nur gut tat.    

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Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin (Freitag, 14 Februar 2020 09:46)

    Grandios geschrieben- bewerb Dich mal als Abenteuerautor...��

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