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New Years Eve Sydney

Die zweite, diesmal 9 1/2 stündige Etappe von Taiwan nach Australien durfte ich mit funktionierender Bordunterhaltung absolvieren. Allerdings gab es vom Start an weg, beim Überflug der Philippinen, bis wir das Festland Australiens erreichten, immer wieder Schütteleinheiten gratis. Die hätte ich gern abbestellt, wenn ich gekonnt hätte. Immerhin bin ich sicher in Sydney bei angenehm warmen Sommerwetter gelandet. Die Einreiseformalitäten gestalteten sich wieder mal sehr unkompliziert, so daß ich schneller als gedacht, von meinem Reise- und Lebensgefährten Raphael in Empfang genommen werden konnte. Zusammen traten wir den Weg zu unserer ersten gemeinsamen Unterkunft nah des legendären Bondi Beach an, wo uns unser freundlicher und sehr beschäftigter Gastgeber in Empfang nahm und uns in die Besonderheiten der Wohnung einwies. Ein typisches Haus hier in der Gegend, was schon auf das leichte Strandleben hindeutete. Abgesehen davon, daß die Türen, zumindest hinten, und Fenster immer offen stehen und eine leichte Brise durchziehen lassen. Apropos Brise, von den heftigen Waldbränden hatte ich bis dato immer noch nichts wahrgenommen. Im Flieger waren die Jalousien verrammelt und am Boden die Luft recht normal. Ich sollte in der Neujahrsnacht das erste mal einen Hauch davon mitbekommen, was gerade im Land und Sydney passiert. Nach einem kurzen Begrüßungsritual am Bondi Beach machten wir uns auf den Weg zu unserer vom Raphael arrangierten Silvesterpartyteilnahme, einer privat initiierten Charityparty, zugunsten eines Projektes, das das Musizieren mit Flüchtlingskindern unterstützt. Diese fand in einem Haus, zwar auf der anderen Seite der Stadt statt, was einen langen Anfahrts- und Heimweg bedeutete. Aber der Ort war von Wasser umgeben und das Haus mit Dachterasse inclusive 360° Aussicht, insbesondere auf die Harbourbridge und das CBD, machten das locker weg, zudem wir es so auch unkompliziert, neue Leute kennenlernen konnten. Die Leute stellten sich als wildes Sammelsurium von jung bis alt, Freunde, Bekannte, Familie und Nachbarn und deren Umkreis unterschiedlichster Herkunft und Kultur heraus, passend zu den für alles offenen Gastgebern. Es wurde gemeinsam gegessen, getrunken, erzählt, diskutiert, musiziert, gesungen und das Panorama, sowie später das Feuerwerk bestaunt, so daß die Nacht recht schnell vorüberzog. Wahrscheinlich habe ich aber nur einiges verpaßt, da ich zwischendurch immer wieder völlig übermüdet einnickte. Der Flugmarathon zeigte Wirkung. Irgendwann löste sich die Veranstaltung auf und jeder machte sich den jeweiligen Heimweg. Das sollte sich natürlich als schwierig erweisen, weil alles Straßen und Busse hoffnungslos verstopft waren. So entschieden wir uns dann doch, die teurere Fähre zum Circular Quay zu nehmen, die dann auch schnell kam und von der Jugend glücklicherweise links liegen gelassen wurde. Dann noch schnell mit Metro und Bus Richtung Bondi, ab ins Bett. Wenn da nur nicht die Gartenparty unseres Gastgebers gewesen wäre. Oh ha, das konnte was werden. Wenn die jungen Australier einmal feiern. Glücklicherweise hatte unser Gastgeber, wohl aus Rücksichtnahme, den Geräuschpegel schnell reduzieren lassen, so daß die Party dann langsam auslief. Was sind wir nur für Spielverderber. Aber wir waren nun mal übermüdet und durchgefroren vom eisigen Wind in dieser Nacht. Resümierend kann ich sagen, daß das Fest vermeintlich nicht so überschwenglich, wie üblich oder gedacht über die Bühne ging. Ich denke viele sind auch in dieser Nacht sehr nachdenklich gewesen, wie es jetzt weiter geht. Alles ist dieses Mal eine Spur kleiner ausgefallen, auch das Feuerwerk. Die Ausgelassenheit und Feierfreude der Australier war nicht so offensichtlich. Sie bemerken, daß sich etwas verändert und auch verändern muß.

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